Gründonnerstag – 18. April 2019

Predigt in der Alt-Katholischen Gemeinde Essen

Exodus 12,1-8.11-14
1 Korintherbrief 11,23-26
Johannes 13,1-15

 

Immer wieder decken wir den Tisch
an dem man
die Lichter entzündet der Hoffnung
und das Buch aufschlägt
mit der Botschaft des Lebens

Immer wieder decken wir den Tisch
an dem man
das weiße Brot bricht und teilt
in gleiche Teile und isst
an dem man
den roten Wein trinkt
miteinander
und eins wird mit Ihm

Immer wieder decken wir den Tisch
an dem man
erinnert was damals geschah
und das Kommende einübt
schon heute und hier

Geheimnis des Glaubens
Gastmahl des Friedens
Der Herr ist bei uns[1]

Wir versammeln uns heute am Gründonnerstag, am Abend des letzten Abendmahls, dass Jesus mit seinen Jüngern, und vielleicht auch mit seinen Jüngerinnen – ich denke eigentlich schon – feiern konnte.  Ob sie schon vorher wussten, dass es das letzte Mal war?  Es wird ein Abschiedsmahl, ein Erinnerungsmahl, ob sie es schon wissen oder nicht. Ein Mahl, worauf die Jünger und Jüngerinnen, die Freunde und Freundinnen Jesus zurückschauen werden, sich erinnern werden: Damals war er bei uns.

Der französische Dichter Edmond Jabès schrieb im April 1989 über seine letzte Begegnung mit seinem Freund Paul Celan:

Jener Tag. Der letzte. Paul Celan bei mir. Er sitzt in        dem Stuhl, den ich gerade betrachte.

Wörter, mit Nähe, geteilt. … Aber heute höre ich doch nicht ihn, sondern die Stille. Ich sehe doch nicht ihn, sondern die Leere.[2]

Jabès muss mit der Tatsache hadern, dass er nicht wusste, dass er an diesem Tag Celan zum letzten Mal sehe, dass er deshalb nicht richtig bemerkt habe, was Celan sagte, wie er da saß. Es war halt ein normales Treffen unter Freunden.  Jabès wusste nicht, dass es das letzte Mal wurde, dass es eigentlich doch etwas ganz Besonderes war.  Nun stellt er sich die Frage: „Mit wem sprechen, wenn es den Anderen nicht mehr gibt?“[3]

Gründonnerstag stellt auch die Jünger und Jüngerinnen vor gerade diese Frage, „Mit wem sprechen, wenn es den Anderen nicht mehr gibt?“ Aber Gründonnerstag gibt auch eine Antwort darauf.     Denn es geht heute darum zu verstehen, wie die Jünger und Jüngerinnen Jesus, zu welchem Kreis auch wir gehören, die Anwesenheit Christi weiterhin spüren, auch wenn dies doch das letzte Abendmahl war. Er ist mit uns anwesend durch das Abendmahl, die Eucharistie, die wir Sonntag für Sonntag miteinander feiern.  Und er ist mit uns anwesend in der Nächstenliebe, die wir einander zeigen.

Die Synoptiker – Matthäus, Markus, Lukas – zeigen uns das letzte Abendmahl als Stiftung der Eucharistie, durch die Christus im Brot und Wein bei uns ist, durch die wir eins werden mit Christus und er mit uns.  Dadurch, schreibt Alfons Bungert, schenkt Jesus, schenkt Gott, uns eine „ganz und gar zuverlässige Gemeinschaft.“ Die Eucharistie kennzeichnet diese Gemeinschaft:

Ein besonders wichtiges Zeichen dieser Gemeinschaft und eine Kraft, die sie am Leben hält und vertieft, ist die Speise, die Jesus uns gibt. Er selbst gibt sich uns als Speise, macht sich für uns zum Brot, geht in uns ein… . Und sein Blut, das er am Kreuz hingibt, ist der Trank, durch den sich Jesus mit uns vereinigt, so dass er in uns lebt – und wir in ihm. In ihm sind wir geborgen, … Denn aus Liebe zu uns Menschen gibt er sich zur Speise und ermöglicht es, Gemeinschaft mit ihm und durch ihn mit dem Vater zu haben und durch die Teilnahme am Leben Gottes für immer ein ganz erfülltes Leben zu finden.[4]

Bei Johannes kommt ein anderer Aspekt der Anwesenheit Jesus vor: die Fußwaschung, der Dienst Jesu an seinen Jüngern, der seine Liebe für die Welt ausdrückt. Seinen liebenden Dienst an die Nächsten bietet er seinen Freunden, seinen Jüngern an. Und sie wissen nicht so ganz, was sie damit anfangen sollen.

In einer Meditation über diese Stelle denkt Reinhard Röhrner darüber nach:

Es ist nicht leicht,
keineswegs eine leichte Sache,
die Liebe zuzulassen.
Weder für die Jünger noch für uns,
angesprochener seiner Liebe sein
und nichts antworten können,
nicht wissen, was zu erwidern ist….[5]

Bei der Fußwaschung
sind wir nicht nur Zuschauer,
sondern dürfen … Christus unsere Füße hinhalten,
den Staub unserer Straßen und Wege,
die Mühe unseres Alltags.
Er will auch uns rein machen.[6]

So sind wir heute eingeladen, wie auch Hubertus Brantzen weiß:

Ich bin eingeladen, alle Freude und alle Belastungen bei der Gabenbereitung … mit zum Altar zu bringen und sie als Gabe Gott anzubeten.
Ich bin eingeladen, mich selbst und mein Leben Gott hinzuhalten und um Wandlung zu bitten.
Ich bin eingeladen, durch das eucharistische Mahl mich noch mehr mit Jesus Christus und den Menschen verbinden zu lassen.
Ich bin eingeladen, mich neu zu meinem Dienst an der Welt und an den Menschen aussenden zu lassen.[7]

Alle werde eingeladen, an Jesus teilzuhaben, von ihm wertgeschätzt zu sein:

Jesus Christus, du Demütiger, du Leidender.
Freund des Lebens.
Du bewirtest
die Schuldigen, die Gedankenlosen,
die Verletzten, die Zweifelnden,
die Sehnsüchtigen, die Glücklichen,
die Liebenden.[8]

Jesus, du bewirtest auch uns.  Amen.

 

[1] Te Deum April 201, 206-207.

[2]  Vgl. http://blacksunlit.com/2015/05/saying-celan-in-silence-by-frank-garrett/.

[3]  Ibid.

[4]  Pfr. Alfons Bungert, Die Anregung (1989), S. 80-81; zit. nach https://www.steyler.eu/svd/seelsorge/anregung/artikel/2012/fastenzeit/gruendonnerstag-wache.php.

[5]   Reinhard Röhrner, Meditation zu Gründonnerstag (http://spiritualitaet.de/meditation-zum-gruendonnerstag/).

[6]   Reinhard Röhrner, Mystagogie zur Fußwaschung (http://spiritualitaet.de/mystagogie-zur-fusswaschung/).

[7]   Hubertus Brantzen, Gottes Spuren unter uns (Herder 2005), 127-128, zit. nach http://www.franziskanerinnen-amstetten.at/homepage/index.php/spiritualitaet/meditationen/267-meditation-zum-gruendonnerstag.

[8]   VELKD, Gebet für Gründonnerstag 2014 (https://www.velkd.de/gottesdienst/wochengebet.php?litDay=27).

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