Pfingsten 2018 – 20. Mai 2018

Predigt in der altkatholischen Gemeinde Münster

Apostelgeschichte 2,1-11
1 Korintherbrief 12,3b-.12-13
Johannes 20.19-23

Komm, Heiliger Geist, heilige uns.
Erfülle unsere Herzen mit brennender Sehnsucht
nach der Wahrheit, dem Weg, und dem vollen Leben,
Entzünde in uns dein Feuer,
dass wir selber davon zum Lichte werden,
das leuchtet und wärmt und tröstet.
Lass unsere schwerfälligen Zungen Worte finden,
die von deiner Liebe und Schönheit sprechen.
Schaffe uns neu,
dass wir Menschen der Liebe werden,
deine Heiligen – sichtbare Worte Gottes.
Dann werden wir das Antlitz der Erde erneuern
und alles wird neu geschaffen.
Komm, Heiliger Geist,
heilige uns, stärke uns, bleibe bei uns.

Das Gebet aus der Ostkirche fasst zusammen, worum es heute geht.  Es geht darum, dass wir heute feiern, dass und wie wir von Gott reichlich beschenkt werden.  Dass und wie der Heilige Geist – das brennende Feuer, der starkwehende Wind – über uns vergossen wird. Dass und wie der Heiliger Geist – der Beistand, die Begegnung in der Stille – immer bei uns ist. Es geht darum, dass wir selber erkennen, wie oder ob wir den Heiligen Geist erfahren, dass wir darüber nachdenken, wie wir den Geist erkennen können, in unserem Leben, in unserer Gemeinschaft.

Am heutigen Pfingstfest feiern wir, wie ganz normale Menschen, Menschen wie wir, wir ihr und wie ich, anders wurden – und noch werden. Wir denken daran, dass die Jünger und Jüngerinnen, die in einem Raum zurückgezogen betend sich aufgehalten haben, plötzlich von dem Mut ergriffen wurden, aus dem engen Raum herauszubrechen, in die Welt hinaus zu gehen, um allen zu verkünden, was ihnen passiert war. Wir hören von Menschen, die plötzlich so reden könnten, dass Andere, Fremde, sich verstanden haben. Wir hören von einer guten Nachricht, die so dringend war, dass alle verstanden haben, worum es ging. Wir hören von dem Heiligen Geist Gottes, der aus normalen Menschen Gottesboten macht, Boten, die über die Grenzen der eigenen Fähigkeit hinüberspringen konnten und können.

Aber es ist keine reine Individualität, im Sinne einer Begabung von ausgesuchten Einzelnen, die hier beschrieben wird. Bei dem Heiligen Geist geht es um Kommunikation, es geht um Verständnis:  Das heißt, es geht um Gemeinschaft. Es geht darum, dass Menschen, die verfremdet, verfeindet waren, die nicht dieselbe Sprache sprachen, einander nun verstehen, nun doch eine Sprache sprechen können. Was nicht immer heißt, dass jemand die andere Sprache perfekt spricht, sondern, dass der Mensch versucht, das zu sagen, das zu kommunizieren was ihm, was ihr wichtig ist. Wie es im Gebet heißt:  „Lass unsere schwerfälligen Zungen Worte finden,  die von deiner Liebe und Schönheit sprechen.“

Es geht heute darum, dass jede und jeder erkennt, dass sie oder er eine Geistesgabe hat, selber beschenkt worden ist.  Beschenkt worden ist, um diese Gabe für für andere, für das Ganze einzusetzen, wie Paulus sehr deutlicht macht.  Es geht nicht darum, dass man vergleicht oder versucht zu messen, wer begabter ist, wer mehr bekommen hat.  Es geht nicht darum, die Gaben des Heiligen Geistes für sich selber zu behalten. Sondern es geht heute am Pfingsten darum, die Gaben – die Gottesgaben – nach außen zu tragen, weiterzugeben, mit einander und mit anderen zu teilen.

„Entzünde in uns dein Feuer, dass wir selber davon zum Lichte werden, das leuchtet und wärmt und tröstet.“

Denn:  Was hätte es genutzt, wenn der Heilige Geist über die Jünger, die Jüngerinnen gekommen wäre, und sie sich dort in dem Raum geblieben wären und sich gefreut hätten?  Das wäre vielleicht ein nettes Beisammensein, aber es hätte nie zu dem Pfingstfest führen können.  Es wäre eine Gruppe von Menschen gewesen, die mal etwas Außergewöhnliches erlebt hätten, eine geschlossene Gesellschaft, die auf sich fixiert gewesen war.  Da wäre kein Aufbruch, da wäre keine Verkündigung, keine Gemeinschaft, da wäre nichts, was Verständnis bringt, wo vorher nur Missverständnis war. Das wäre kein Pfingstfest.

Es wird oft gesagt, dass wir zu Pfingsten den Geburtstag der Kirche feiern. In der Tat geht es heute darum, dass die Kirche geboren wird.  Denn der Heilige Geist ist Ursprung und Quelle von Gemeinschaft.[1]  Aber diese Pfingstgemeinschaft, unsere Kirche, ist keine Gemeinschaft, die nur mit sich selbst beschäftigt ist, keine geschlossene, auf sich fixierte Gesellschaft.

Im Gegenteil, sie ist eine Gemeinschaft, die sich zwar immer wieder zurückzieht, um zu beten und innezuhalten, um zu merken, wie der Heilige Geist in sie kommt und über sie gegossen wird – aber dadurch zum neuen Aufbruch befähigt und ermutigt wird, zur Verkündigung, zum Leben.

Dass heißt: die Kirche ist ein Ort – oder sollte ein Ort sein – wo wir alle entdecken, welche Gaben Gottes wir geschenkt bekommen haben, wie der Geist uns erfüllt hat, so dass wir dazu ermutigt wird, die gute Nachricht in die Welt zu bringen.  Sie ist eine Gemeinschaft – oder sollte eine Gemeinschaft sein –, die wirklich beten kann: „Schaffe uns neu, dass wir Menschen der Liebe werden, deine Heiligen – sichtbare Worte Gottes.“

Komm, Heiliger Geist, heilige uns. Erfülle unsere Herzen mit brennender Sehnsucht nach der Wahrheit, dem Weg, und dem vollen Leben, Entzünde in uns dein Feuer, dass wir selber davon zum Lichte werden, das leuchtet und wärmt und tröstet.

Lass unsere schwerfälligen Zungen Worte finden, die von deiner Liebe und Schönheit sprechen. Schaffe uns neu, dass wir Menschen der Liebe werden, deine Heiligen – sichtbare Worte Gottes. Dann werden wir das Antlitz der Erde erneuern und alles wird neu geschaffen. Komm, Heiliger Geist, heilige uns, stärke uns, bleibe bei uns.  Amen.

[1]     Jim Wallis, zitiert in Resources for Preaching and Worship, Year A, p. 163.

Advertisements

Ostermontag – 2. April 2018

Predigt in der altkatholischen Gemeinde Bottrop

Apostelgeschichte 2,14.22-33
1 Korintherbrief 15,1-8.11
Lukas 24,13-35

Christus ist erstanden: Er ist wahrlich erstanden! Halleluja!

Christus ist erstanden: Er ist wahrlich erstanden.  Aber die Jünger glauben es nicht so richtig.  Diese zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus haben zwar das leere Grab gesehen, aber so richtig wissen sie nicht, was sie davon halten sollen.  Nicht nur Thomas ist ungläubig, sondern auch die anderen Jünger – und auch die Jüngerinnen. Maria und die anderen Frauen, die Angst haben, die Jesus zunächst gar nicht erkennen.  Petrus, der den Frauen gar nicht glaubt, als sie erzählen, was sie erlebt haben. Die anderen Jünger, die Jesus erst sehen müssen, bevor sie glauben. Und diese zwei, die auf dem Weg nach Emmaus sind, die versuchen, alles hinter sich zu lassen.  Sie glauben nicht.  Sie zweifeln. Denn sie wissen ja, dass Tod Tod ist, und dass ein Mensch nach dem Tod nicht lebt.

Sie wissen es.  Aber die erfahren jetzt, dass es doch anders ist.  Denn der Mensch, den sie nun auf dem Weg begegnen, ist doch Jesus, wie sie am Schluss, beim Mahl erkennen. Das, was sie wussten, war doch nicht richtig.  Sie müssen jetzt erkennen, dass die Wahrheit anders ist, als das, was sie immer meinten zu wissen.

Ich glaube, dass es wichtig ist, dass wir merken, dass auch die Jünger und Jüngerinnen zweifeln, bevor sie verstehen.  Es ist manchmal – es ist vielleicht oft – nicht einfach zu glauben.  Gerade nicht an etwas zu glauben, wovon wir eigentlich wissen, dass es nicht stimmen kann.  David Lose, ein lutherischer Theologe betont, dass das Zweifeln völlig normal sei:

Die Verheißung von Auferstehung, vom neuen Leben und von der Gnade ist so abwegig, so ungewöhnlich und so dringend notwendig, dass sie immer ein gewisses Maß an Zweifel hervorgerufen hat. Sie hat aber auch immer wieder verwandeltes Leben erzeugt.[1]

Zweifel haben heißt gar nicht, dass man nicht trotzdem glauben kann.

Gerade wenn wir uns auch auf einem traurigen Weg befinden, wo wir Abschied nehmen müssen, wenn wir uns irgendwo im Leben befinden, wo wir nicht weiter wissen – dann ist es manchmal so, dass wir meinen zu wissen, dass es nicht weitergeht und nicht weitergehen kann. Der Benediktiner Abt Notker Wolf schreibt:

Wenn Menschen diese „dunkle Nacht“ im Glauben erleben, müssen sie das zuerst einmal zulassen, sich überhaupt eingestehen, dass so etwas ganz normal ist. Darauf vertrauen, dass auch eine solche Nacht wieder vergeht und sogar helfen kann, das eigene Leben hinterher in anderem Licht zu sehen; nicht den Anspruch haben: „Es muss alles gleich wieder vergehen, ich muss alles durchschauen können“ – das verlangt Demut; aber genau diese Demut führt uns aus der Nacht heraus.[2]

Zweifel gehört manchmal dazu.  Und zuzugeben, dass wir zweifeln, kann ein erster Schritt sein, den Glauben zu erfahren, Raum zu schaffen, in dem wir den auferstanden Christus begegnen.

Die methodistische Theologin Shelli Williams schreibt, dass der Weg nach Emmaus „der Weg der Enttäuschung, Verzweiflung und Desillusionierung“ ist.[3] Auf diesem Weg läuft Christus immer mit uns, auch wenn wir ihn nicht sofort begreifen.  Er begegnet uns auf diesem Weg in dem Fremden, den wir nicht erkennen, in dem Menschen, den wir zu uns nach Hause einladen, in dem Menschen, mit dem wir zusammen essen. „Jesus erscheint im Gewöhnlichen und im Heiligen; im Alltäglichen und im Besonderen. Und wenn wir die Gegenwart des auferstandenen Christus‘ nicht erkennen, wartet diese Gegenwart, bis wir das tun.“[4]

Ein Mann sagte irgendwann seinem Priester: „Ich weiß nicht, ob ich noch an Gott glaube.“ Und der Priester erwiderte: „Ich weiß, dass Gott noch an dich glaubt.“  Ostern zeigt uns, dass Gott so sehr an uns glaubt, dass sogar der Tod ihn nicht bändigen kann, ihn nicht daran hindern kann, zu uns zu kommen.  Dass er so sehr bei uns sein will, dass er trotz des Todes seines Sohnes immer wieder auf uns zukommt.  Rowan Williams, ehemaliger Erzbischof von Canterbury beschreibt Glaube als „zuverlässige Beziehung“. Und er meint:

Glaube als zuverlässige Beziehung ist etwas anders als Glaube als System der Lehrsätze, oder als Glaube als Zuversicht, dass ich fähig bin, die Wahrheit in den Griff zu bekommen. Vielmehr [bedeutet Glaube als zuverlässige Beziehung] die Zuversicht, die Wahrheit wird mich in den Griff bekommen, die Zuversicht, dass ich getragen werden, auch wenn ich selber glaube, nichts mehr ertragen zu können.[5]

Gott glaubt an uns, Gott trägt uns.  Gott hat uns im Griff – hält uns in seiner Hand.

Für den evangelischen Theologen Jörg Zink zeigt Ostern gerade den Weg des neuen Lebens:

Nichts ist mehr so endgültig, wie es scheinen mag. Unser Weg geht weiter. … Lebe du fröhlich in den Tag hinein, der Ostern heißt. Er beginnt mitten in der Nacht. Auch in der Nacht der Irrlichter, die uns heute umschwirren. Und du wirst ihm begegnen. Er wird dir begegnen. Incognito. Als irgendwer. Und er macht dir deinen Weg frei.[6]

Vor ca. 1800 Jahren hat der Kirchenvater und Bischof Irenäus von Lyon geschrieben: „Der unfassbare, unsichtbare und unbegreifliche Gott macht sich sichtbar, begreifbar und fassbar für die Menschen. … Menschen werden Gott sehen, damit sie leben.“[7]  Ostern zeigt uns, dass der Wunsch Gottes, sich für die Menschen sichtbar, begreifbar und fassbar zu machen, nicht mit dem Leben Jesu zu Ende geht.  „Christus ist erstanden“ heißt, dass Christus nicht in der Vergangenheit gehört, sondern in der Gegenwart. Christus ist präsent – mit uns, bei uns, sogar in uns – ob wir es erkennen oder nicht.  Wir können uns auf Gott, auf Christus verlassen.  Denn Christus ist erstanden: Er ist wahrlich erstanden. Ob wir es glauben, oder nicht.

         Amen

 

[1]   David Lose, ‘Resurrection Doubts’ (http://www.davidlose.net/2015/04/easter-3-b-resurrection-doubts/).

[2]   Notker Wolf, Schmetterlinge im Bauch (München 2011), 183.

[3]  See https://journeytopenuel.com/2015/04/13/easter-3b-see-what-love-we-have-been-given/.

[4]  See https://journeytopenuel.com/2015/04/13/easter-3b-see-what-love-we-have-been-given/.

[5]  Rowan Williams, Being Disciples: Essentials of the Christian Life (London 2016), 25.

[6]  Jörg Zink, Gottesgedanken: Vom inneren Weg eines Christen (Gütersloh 2012), 120.

[7]  Weisheit der Väter: Gebete der frühen Christen, hg. von Maria Wolff (Nidderau 2006), 47.

4. Sonntag in der Fastenzeit (B) – 11. März 2018

Predigt in der altkatholischen Gemeinde Bottrop

2 Chronik 36. 14-16, 19-23
Epheser 2. 4-10
Johannes 3. 14-21

Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.

Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.

Eigentlich brauchen wir zu dieser Stelle keine Predigt.  Denn hier haben wir das Kern des Evangeliums:  Gott liebt uns so sehr, er will bei uns präsent sein.  Er will Versöhnung mit uns.  Er will uns nicht richten, sondern retten.  So sagt Johannes.  Und dazu kommt die Aussage des Paulus in der heutigen Lesung aus dem Epheserbrief: „Aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet, nicht aus eigener Kraft – Gott hat es geschenkt –, nicht aufgrund eurer Werke, damit keiner sich rühmen kann.“

Gott liebt uns, er kommt zu uns, er will bei uns präsent sein, will uns retten, nicht verurteilen. Und wir müssen dafür nichts tun.  Was könnte da überhaupt besser sein?

Wir sind es gar nicht gewohnt, dass unsere Werke, unser Tun nicht aufschlaggebend sind.  Denn in unserer Gesellschaft werden wir meistens gerade wegen unseres Tuns eingeschätzt.  Was wir getan – oder nicht getan – haben, was wir erreicht – oder nicht erreicht – haben, wo unsere Erfolg – oder auch unser Misserfolg – liegt: Danach werden wir eingestuft, beurteilt, gemessen. Es geht sogar oft darum, dass wir uns rühmen sollen, dass wir sagen, was wir besser gemacht haben als andere, warum gerade wir und nicht jemand anders etwas verdient haben, zum Beispiel bei Verhandlungen zur Gehaltseinstufung.  Unsere Wirtschaft lebt davon, dass Ziele erreicht werden, dass Menschen ihre Zielsetzung erfüllen – egal wie unmenschlich diese Ziele und die damit verbundenen Erwartungen sind.

Aber Johannes und Paulus sagen uns, bei Gott geht es anders.  Gott sieht uns ganz anders an.  Denn bei Gott geht es gerade nicht darum was wir tun, sondern eher wie wir es tun. Und bei Gott geht es um geheilt sein, das heißt um Heil.  Die deutsche Sprache macht deutlich, dass geheilt sein und heilig sein eng miteinander verwandt sind.  Und das stimmt auch genauso im Griechischen und Lateinischen.  Heilig werden hat etwas mit geheilt werden zu tun.  Und daraus ergibt sich eine wichtige Frage: Kann jemand überhaupt heilig werden, wenn er nicht dazu bereit ist, geheilt zu sein?  Kann jemand überhaupt heilig werden, wenn sie nicht zugeben kann oder will, dass sie das Heil nötig hat? Ich glaube nicht. Heilig werden hat etwas damit zu tun, dass wir merken, in welcher Hinsicht wir noch nicht heil sind.  Das heißt, heilig werden hat etwas damit zu tun, dass wir merken und bereuen, was uns von Gott trennt.  Heilig werden hat etwas damit zu tun, dass wir zugeben, wir sollten uns Verändern, wir müssen geheilt werden, wir brauchen halt Heil.

Und Gott hat uns so geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit wir alle nicht zugrunde gehen, sondern das ewige Leben haben.  Diese Hingabe kam durch das Leben und Sterben Jesu Christi, das heißt, durch das Beispiel seines Lebens, aber auch – aber hauptsächlich – durch das Kreuz.  Das Kreuz ist das Mittel zum Heil. Bald, in nicht mal drei Wochen werden wir am Karfreitag singen: „Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung“.  Genau so, und heute wollen wir uns klar machen, dass Gott uns alle einlädt, zum Heil des Kreuzes zu kommen.

Der mittelalterliche Franziskaner-Theologe Bonaventura schrieb ein Kirchenlied über das Kreuz. Dort steht: Das Kreuz ist das Tor zum Paradies; das Kreuz ist die Medizin der Welt – crux est porta paradisi, … crux est mundi medicina.[1]   Auch hier werden heilen, geheilt sein, und heilig sein eng miteinander verknüpft.  Das Kreuz als Medizin der Welt macht den Weg frei zum ewigen Leben.  Ein syrischer Theologe aus dem 6. Jahrhundert, Romanos der Sänger schrieb in einer Meditation über das Kreuz:

Räuber, Mörder, Zöllner, Huren,
ruhen darunter aus und bauen Neste
in seinen Ästen
damit sie sammeln können
die Früchte der Wonne
aus dem angeblich sterilen Holz.
Denn sie halten sich am Kreuz fest
als Baum des Lebens.[2]

„Räuber, Mörder, Zöllner, Huren, … halten sich am Kreuz fest als Baum des Lebens.“ Aber es muss nicht so dramatisch sein.  Wir müssen nicht Räuber, Mörder, Zöllner, oder Huren sein, um zum Heil eingeladen zu werden.  Es geht beim Heil des Kreuzes auch um andere, die sich von Gott entfernt haben, von Gott entfernt fühlen: um Verzweifelte, um Traurige, um Unzufriedene, um alle, die das Gefühl haben, sie finden nicht so richtig zu Gott.  Wir alle – denn wir sind es doch alle – werden zum Kreuz eingeladen, wir alle können uns am Kreuz festzuhalten, eben am Baum des Lebens.

Was heißt das aber wirklich?  Das fragte Nathan Humphrey, ein anglikanischer Pfarrer in einer Predig zum Karfreitag vor ein paar Jahren, bad nach dem Tod seines Bruders an Krebs:

Vielleicht trägst du heute … dein eigenes Leidenskreuz, sei es für dich selbst oder für einen geliebten Menschen. … Vielleicht trauert dein Herz um den Verlust eine Beziehung: eine zerbrochene Ehe, sei es deine eigene oder die von anderen, oder eine andere Form der Entfremdung. Vielleicht ist dein Kreuz physisch: vielleicht kämpfst du mit deiner eigenen Sucht oder der Sucht von jemanden anderem oder mit Wut oder mit einer anderen Todsünde. … Im harten Licht eines solchen Verlustes oder Kummers, im Schatten von Krankheit und Tod klingt es vielleicht überheblich, das Kreuz als die Medizin der Welt zu verkünden.

Nathan Humphrey gibt zu:

Das Kreuz hat meinen Bruder bestimmt nicht von Krebs geheilt. Das Kreuz hatte nicht die Kraft, das körperliche Leiden zu lindern, das mein Bruder in seinen letzten Augenblicken erlitten hatte, ebenso wenig wie das Kreuz Christi das Leiden von Jesus oder Maria oder Johannes linderte. Aber das Kreuz Christi offenbart Gottes Liebe angesichts von Tod und Verfall.[3]

Gerade am Kreuz wissen wir, erfahren wir, dass Gott unser Leiden, aber auch unser Unmut über uns selbst durchdrängt, auffängt und umwandelt.

Letztes Jahr sprach Weihbischof Zimmermann aus Essen auch in einer Karfreitagspredigt über „die doppelte Bedeutung des Kreuzes“:

Die äußere als Zeichen für alles Leid und alle Enttäuschungen des Lebens und die innere, strahlende Bedeutung als Zeichen von Zukunft und Hoffnung.“[4]

Darum geht es:  Das Kreuz lindert nicht alles Schmerz, alle Pein, aber es heilt sie.  Das Kreuz ist der Ort, wo diese zwei Bedeutungen zusammenkommen, zusammengehalten werden, wo das Eine in das Andere übergeht, wo Schmerz, Trauer, und Angst von Hoffnung und Liebe durchdrängt wird – und somit umwandelt, geheilt werden.

Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.

Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.

Das Kreuz ist das Tor des Paradieses; das Kreuz ist die Medizin der Welt.  Lassen wir uns von Gott heilen, und damit zum Heil fuhren.

Amen

 

[1]   Vgl. www.edgeofenclosure.org/lent4b.html.

[2]   Ebd.

[3]   Vgl http://saintjohns-newport.org/crux-est-mundi-medicina/

[4]   Vgl. https://www.sankt-lamberti.de/fileadmin/Aktuelles/20170412_Predigt_Weihbischof-Zimmermann.pdf.

Christmette – 24. Dezember 2017

Predigt in der altkatholischen Gemeinde Bottrop am 24. Dezember 2017

Jesaja 9,1-6
Titus 2,11-14
Lukas 2,1-14

Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf.

Das feiern wir in dieser heiligen Nacht: Das Licht, das in die Dunkelheit gekommen ist.  „Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens.“  So schreibt Jesaja, so singen und beten wir in diesem Gottesdienst, so glauben wir.  Durch dieses Kind, dieses Christkind wird alles neu.

Aber was heißt das in unserer doch noch so dunklen, so unsicheren Welt?  Was heißt es, dass Gott in unsere Welt kommt, als Kind in der Krippe, im Stall? Die Gefahr ist, dass wir diese Menschwerdung Gottes hier in der Kirche, in dieser Nacht feiern, ohne dass wir unser Glauben in Verbindung mit unserer Umgebung zu bringen. Sam Wells, Pfarrer der Kirche St Martin-in-the-Fields in London, warnt vor einem „Spritualisieren“ von Weihnachten.  Bei Weihnachten geht um Materielles, schreibt er:

Weihnachten zeigt uns, wie sehr sich Gott bemüht hat, mit Menschen in Beziehung zu treten, die Gott brauchten, die aber nicht sicher waren, ob sie Gott wollten. Weihnachten zu feiern bedeutet für uns, sich auf Menschen einzulassen, die uns brauchen, die aber nicht sicher sind, ob sie uns wollen. Das ist göttlicher Materialismus: Menschen zu umarmen, die niemand umarmt; mit denjenigen zu essen, mit denen niemand isst; denjenigen zuhören, denen niemand zuhört; diejenigen zu berühren, die niemand berührt; sich an jene erinnern, an die sich niemand mehr erinnert, diejenigen lieben, die niemand liebt.[1]

Für Karoline Lewis ist Weihnachten ein Zeichen dafür, wie wichtig unsere Menschlichkeit für Gott ist, und dass heißt unser Körper, unser Fleisch, unser Leib.[2]  Gott ist Mensch geworden, er ist inkarniert – in carne – ins Fleisch gekommen, Fleisch geworden.  Es geht im Glauben um unsere Körperlichkeit, um die Körperlichkeit der Welt.  Eben um das Materielle.

Für Sam Wells ist Weihnachten ein Zeichen dafür, dass wir „göttliche Materialisten“ sein sollen:

Göttliche Materialisten suchen Gott in menschlicher Form.
Göttliche Materialisten sind Hirten, die in Bethlehem umherirren, um Jesus unter jugendlichen Eltern und Obdachlosen … zu suchen.
Göttliche Materialisten erinnern sich daran, dass Jesus‘ Eltern aus Bethlehem nach Ägypten geflohen sind; sie suchen Jesus unter Einwanderer und Flüchtlingen und denjenigen, die in einem fremden Land Angst um ihr Leben haben.
Göttliche Materialisten wissen, dass die Weisen Jesus in einer Krippe fanden und erkannten, obwohl sie erwartet hatten, er wäre in einem Palast; deshalb suchen sie bei Fremden aus anderen Ländern nach Weisheit.[3]

Christus bringt Licht in die Dunkelheit.  Die Umstände seiner Geburt sind aber ein Zeichen dafür, dass Licht oft dort zu finden, zu erkennen ist, wo wir es vielleicht nicht erwarten.  Wir haben nicht das Licht, wir besitzen nicht das Licht.  Manchmal bringen wir das Licht. Manchmal aber müssen uns vom Licht überraschen.

Yvonne war eine kirchliche Mitarbeiterin aus den Vereinigten Staaten, die in einem Flüchtlingslager in Honduras arbeitete. Eine Frau fragte sie, warum sie immer so traurig und belastet aussehe. Yvonne sagte, sie sei wegen des ganzen Leids sehr traurig, und versuchte sich stets dafür einzusetzen, dass das Leid weniger werde. Die Frau widersprach sie: “Nur Menschen, die erwarten, bald nach Nordamerika zurückzukehren, können so arbeiten, wie Sie es tun. Sie nehmen unseren Kampf aber nicht ernst, wenn Sie nicht spielen und feiern und die Dinge tun, die es uns ermöglicht, unser ganze Leben in dieser Situation zu verbringen.”  Die Frau erzählte, dass in jedem Lager drei Komitees gebildet wurden:  ein Konstruktionskomitee, ein Ausbildungskomitee, und das comité de alegría – “das Komitee für Freude”. Feiern war für die Flüchtlinge ebenso wichtig wie Latrinen bauen oder die Kinder Lesen beibringen.[4]  Freude im Flüchtlingslager?  Es gibt mehrere Geschichten darüber, die zeigen, dass und wie Menschen in unmenschlichen Situationen Freude finden oder schaffen.[5]

Weihnachten als Beispiel der Materialität Gottes, der Materialität Christi zu verstehen, in dem man Weihnachten in unsere Wirklichkeit verankert, heißt also nicht in Weltschmerz untergehen.  Es gibt einen jüdischen Spruch: „Erschrecke nicht vor der ungeheuren Trauer der Welt. Recht tun – jetzt! Güte und Treue lieben – jetzt! In Ehrfurcht den Weg gehen mit deinem Gott – jetzt!  Du bist nicht verpflichtet, die Arbeit zu vollenden, aber es steht dir auch nicht frei, sie aufzugeben.“  Wir müssen nicht alles selber tun, müssen nicht alles selber verantworten.

Wir müssen nicht – wir können nicht – alles tun, aber trotzdem stellt sich heute die Frage: was können wir tun, was kann ich tun, damit das Licht der Geburt Christi leuchtet in diese Welt?  Weihnachten kann eine Zeit der großen Freude sein, aber auch eine Zeit der tiefen Trauer und Einsamkeit.  Gibt es da etwas, was wir tun können?  Wie können wir in unsere Welt göttliche materialisten sein, Stifter des Friedens, der Gerechtigkeit, des Wohlergehens?

„Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens.“

Amen

[1]  Vgl. https://www.standard.co.uk/comment/comment/be-more-material-this-christmas-your-spiritual-side-can-wait-a3724961.html (Übersetzung CM).

[2]   Vgl. http://www.workingpreacher.org/craft.aspx?post=4776 (Übersetzung CM).

[3]   Vgl. https://www.standard.co.uk/comment/comment/be-more-material-this-christmas-your-spiritual-side-can-wait-a3724961.html (Übersetzung CM).

[4]  Joyce Hollyday, Clothed with the Sun: Biblical Women, Social Justice and Us (Louisville: Westminster John Knox 1994); zitiert nach Resources for Preaching and Worship:  Year B, p. 20.  Übersetzung CM.

[5]   Z.B. https://www.rescue.org/article/worst-year-syrians-10-moments-showed-best-humanity.

4. Advent (B) – 24. Dezember 2017

Predigt in der altkatholischen Gemeinde Münster am 23. Dezember 2017

Jesaja 5. 1-7
Philipper 4, 6-9
Matthias 21, 33-44

Heute haben wir den Vorabend vom vierten Advent, der in diesem Jahr gleichzeitig der Vorabend zum Heiligen Abend ist.  Es geht am vierten Sonntag im Advent um Maria: Um Maria, die Gottes Mutter; um Maria, die im Griechisch in der alten Kirche theotokos genannt wurde, „Gottes Gebärerin“; „Gottes Trägerin“.  Dieser Titel sollte daran erinnern, dass das Kind, das Maria trägt, auch Gott ist: Jesus Christus, Gott und Mensch, Menschwerdender Gott.  Es geht heute um Maria, durch die das Heil in die Welt erst überhaupt gekommen ist.  Es geht um Maria – und dadurch geht es um Gott, um den Gott, der nun in dieser Zeit Mensch wird, wie wir in den nächsten Tagen feiern werden, der aber auch in dieser Zeit gerade durch uns Menschen Mensch wird.

Im Evangelium heute sehen wir, wie Maria ihr Ja zu Gott gibt.  Es kommt der Engel zu ihr, um ihr zu sagen, was mit ihr passiert: „Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.  Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben.  Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.  Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben.“  Maria fragt, wie das sein kann, denn sie hatte noch nie mit einem Mann geschlafen – und nun soll sie ein Kind bekommen. Das Kind kommt von Gott durch den Heiligen Geist, erklärt der Engel Gabriel.  Und dann kommt das Ja von Maria: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.“

Es gibt eine Legende, dass Maria nicht die erste junge Frau war, zu der der Engel kam.  Sie war aber die erste, die Ja gesagt hat.  Madeleine L’Engle schreibt:

Es wurde nicht überraschen, wenn ein 14-jähriges Mädchen den Engel abgelehnt hätte.  Nicht geglaubt hätte.  Oder gesagt hätte:

„Bist du sicher, dass du meinst –
Ich bin aber unwürdig –
Ich konnte sowieso nicht –
Ich hätte Angst. Nein, nein,
es ist nicht zu glauben, du kannst doch nicht von mir erwarten –
Ich weiß, dass es eine große Ehre ist,
wurden sie sich aber nicht alle aufregen,
unsere beiden Familien?
Du weißt, sie sind sehr anständig.
Muss ich jetzt antworten?
Ich will nicht nein sagen –
denn darauf hofft jede junge Frau
auch wenn sie es nicht zugibt.
Ich kann mich aber auf etwas so wichtiges
nicht festlegen,
ohne eine Weile zu überlegen
und ich muss auch meine Eltern fragen
und meinen –
Ich brauche ein paar Tage, um darüber nachzudenken.“
Traurig, aber nicht überrascht,
dass es wieder so gekommen war
kehrte der Engel in den Himmel zurück.[1]

Nur durch das Ja der Maria kann das Ja Gottes zur Welt Gestalt nehmen, kann Gott als Mensch zu den Menschen in die Welt kommen.  Durch das Ja der Maria wird Christus der Heiland gezeugt, wird Christus der Heiland in die Welt getragen, in die Welt geboren.  Heiland heißt auf Latein Redemptor. Deshalb wurde Maria im Mittelalter manchmal co-Redemptrix, mit-Heiland, mit-Retterin genannt, denn ohne sie hätte es den Heiland, den Christus nicht geben können.  Später wurde Maria von Luther und andere Reformatoren als die Nachfolgerin Christi vor allen anderen Nachfolgern verstanden, als discipula discipulorum, Nachfolgerin der Nachfolger.  Eine Erinnerung daran, dass wir als Nachfolger selber co-Redemptoren sind, wir sollen an das Heil der Welt mitwirken.

Was heißt das für uns als Nachfolger, als Nachfolgerinnen?  Durch das Ja der Maria ist Christus damals in die Welt gekommen, konnte Gott Mensch werden.  In der Adventszeit, bereiten wir uns vor, dass Christus wieder in die Welt kommt, wo er aber schon ist, wie Gott wieder Mensch wird, zu den Menschen kommt.  Gott brauchte damals das ja der Maria.  Jetzt braucht er unser ja, unsere Zustimmung, unser Mitmachen.  Teresa von Avila hat es so gesagt:

Christus hat keine Hände, nur unsere Hände,
um seine Arbeit heute zu tun.
Er hat keine Füße, nur unsere Füße,
um Menschen auf seinen Weg zu führen.
Christus hat keine Lippen, nur unsere Lippen,
um Menschen von ihm zu erzählen.
Er hat keine Hilfe, nur unsere Hilfe,
um Menschen an seine Seite zu bringen.

Und was sagen wir zu Gott?  Wie lautet unsere Antwort?

Sagen wir:

Bist du sicher, dass du meinst –
Ich bin aber unwürdig –
Ich konnte sowieso nicht –
Ich hätte Angst. Nein, nein,
es ist nicht zu glauben, du kannst doch nicht von mir erwarten –

Oder sagen wir:

Ja auch ich bin die Magd, der Junge, der Mensch des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.

Amen

 

 

[1]  Madeleine L’Engle, And It Was Good: Reflections on Beginnings (Wheaton: Harold Shaw Publishers 1983); cited according to Resources for Preaching and Worship:  Year B, pp. 16-17.  Translation CM.

4 before Advent (A) – 5 November 2017

sermon preached at Derby Cathedral

Micah 3.5-end
Matthew 24.1-14

It’s been quite a week.  Liturgically we have been celebrating All Saints and All Souls.  These mark not only the patronal festival of this cathedral churrch of All Saints, but the transition into the final four weeks of the church’s year, to the kingdom season, the time before Advent, a season of remembering the dead and reflecting on judgement and the end of the world.  But this year that transition has had a particular flavour because we have also been marking 500 years since Martin Luther sent his 95 theses against indulgences to the Archbishop of Mainz – his own Archbishop – and sparked off an enquiry into his theological position which led, perhaps inexorably, to the Reformation, which in turn brought about the church landscape of difference confessions and denominations that we are familiar with today.

The establishment of those confessions and denominations was in part a recognition that Luther’s theology – and the theology of Zwingli in Zürich, Calvin in Geneva, Cranmer in England, and many other reformers of that period – had caught aspects of the truth of the gospel which the authorities in Rome were finding it difficult or even impossible to acknowledge.  But it was also a painful process, a process of defining people in terms of truth and falsehood, and of judgements as to who was preaching the true gospel.

We have just heard Micah’s words read in which he warns about the kind of society in which he finds himself: “Its rulers give judgement for a bribe, its priests teach for a price, its prophets give oracles for money; yet they lean upon the Lord and say, ‘Surely the Lord is with us!  No harm shall come upon us.’”  Luther’s complaint in the 95 theses was precisely that the church was offering forgiveness for money. His first thesis picked up on the biblical text which introduced our confession this morning:  ” Jesus began to proclaim, ‘Repent, for the kingdom of heaven has come near’” (Matthew 4:17).  Luther’s response was to affirm:  “When our Lord and Master, Jesus Christ, said ‘Repent’, He called for the entire life of believers to be one of penitence.”  People were to amend their lives, not pay for remission of penance.  His comment in a lecture on this passage hints that he saw his own experience reflected in it: “It causes us to see what sort of listeners the prophets had: very wicked people who nevertheless wanted to support this wickedness of theirs with a kind of sanctity.”[1]  The problem was, of course, that Luther’s opponents did not see it this way; they rather saw that he was claiming to be “filled with the spirit of the Lord, with justice and might,” but was in reality a false prophet, coming in Christ’s name, but leading many astray, as Matthew’s gospel warns.

Down the centuries since the Reformation, this mutual rejection – even vilification – has led to conflict and disagreement, strife and even violence as different groups emerging from the Reformation battled over the truth.  Many people in the sixteenth century through that this kind of conflict might presage the coming of the end of the world, as Matthew’s gospel suggests:  “For nation will rise against nation, and kingdom against kingdom, and there will be famines and earthquakes in various places: all this is but the beginning of the birth pangs.”  It was not all about conflict: the English Reformation, particularly under Queen Elizabeth I, sought not to take sides on some of the questions that were dividing Protestants, and the Reformation of the English church avoided some of the more stringent aspects of Reformed theology.  But England was not immune from these conflicts. We meet this morning on 5 November, Guy Fawkes Day, not marked in the church, very much still a community event, which commemorates a Catholic plot against James VI and I in 1605.  The seventeenth century witnessed bitter civil war in England and Scotland, Wales and Ireland between groups with different religious allegiances. Some of those differences have continued into living memory, in Northern Ireland, or in sectarian allegiance or even violence in Glasgow or Liverpool.  The Catholic-Protestant divide that emerged from the Reformation could be divisive, dangerous, violent.  There were always, alsongside this conflict, people who sought to live with one another in tolerance of difference.  But the rhetoric was often of conflict and opposition.

Against that history, it has been even more remarkable to see the extent to which the marking of the Reformation jubilee this year has been done ecumenically.  In 1999, the Roman Catholic church and the Lutheran World Federation signed a Joint Declaration on the Doctrine of Justification.  In it, they proclaimed:

Together we confess: By grace alone, in faith in Christ’s saving work and not because of any merit on our part, we are accepted by God and receive the Holy Spirit, who renews our hearts while equipping and calling us to good works.[2]

The doctrine that split the Catholics and the churches of the Reformation in the sixteenth century was recognised to be no longer a stumbling block in their relationship. In 2006, the World Methodist Council signed, and in 2017 so did the World Communion of Reformed Churches.

Anglicans, Catholics and Lutherans never formally disagreed on the doctrine of justification, so the Anglican Communion chose not to sign the Joint Declaration, but to affirm its substance. That decision at the 2016 Anglican Consultative Council was marked and celebrated this past Tuesday – on 31 October 2017 – at a wonderful service in Westminster Abbey. I have been very privileged to be a part of that.

The Reformation, then, laid the foundations for the church landscape we know today.  And that is a landscape which reflects – and represents – considerable disunity amongst Christians.  This is a disunity which doubtless represents a failure of the church, since the Reformation, at the Reformation, but also before, as the Western and the Eastern Church split in the eleventh century over their understanding of the relationship between the Holy Spirit, the Son and the Father, or still earlier as the church fractured in the Trinitarian controversies.  In 1920, reeling from the aftermath of the First World War, and with a strong sense that the churches must act to prevent another such atrocity, the Lambeth Conference of Anglican Bishops issued an impassioned call for church unity: “An Appeal to All Christian People”.  They spoke of the sin of fractured unity, of the way that “self-will, ambition, and lack of charity … together with blindness to the sin of disunion, are” as they saw it “still mainly responsible for the breaches of Christendom.”

Importantly, they pointed out, people cannot hear the gospel because of these divisions: “The faith cannot be adequately apprehended and the battle of the Kingdom cannot be worthily fought while the body is divided, and is thus unable to grow up into the fullness of the life of Christ.”  We need to work to overcome our differences, so that, as Matthew writes, “this good news of the kingdom will be proclaimed throughout the world, as a testimony to all the nations.”  The Church of North India, with which this diocese has an important link and whose representative is here today, arose in direct response to this recognition.  The Joint Declaration and the way in which other world communions have associated themselves is a sign that we are better able to do that than we once were.  How can we preach, and how can we live out the gospel together?

And yet the bishops in 1920 also recognised the multiplicity of gifts in the different confessions, “standing for rich elements of truth, liberty and life which might otherwise have been obscured or neglected.”  Five hundred years after the beginning of a process which led to considerable disunity, I would want to affirm, with those bishops a century ago, and with many ecumenists since, that each of the Christian churches has gifts which we need to recognise in each other and receive from each other.

Some years ago, at an ecumenical meeting in Canada, I was introduced to a text which I have since lost.  It offered a vision of unity and I have come up with my own version which goes like this: “When the church is one, it will have the hymns of the Methodists, the liturgical sense of the Anglicans, the prayer of Roman Catholics, the local rootedness of the Baptists, the spirit of the charismatics, the social care of the Salvation Army, the theological education of the Reformed, the preaching of the Lutherans… .”  We could argue about which gifts we bring to the table.  But the point is clear:  we have gifts to offer one another, to receive from one another.  And many of those gifts are rooted in the way in which its history in and with the Reformation and its legacy shaped each individual church.

And so, in this week of the Reformation anniversary, at the cusp of the church year, let us pray for unity:

Heavenly Father,
you have called us in the Body of your Son Jesus Christ
to continue his work of reconciliation
and reveal you to the world:
forgive us the sins which divide us;
give us grace to recognise each other’s gifts,
and us courage to overcome our fears
and to seek that unity which is your gift and your will.[3]  Amen.

 

[1]   LW 18, 234.

[2]  JDDJ 15:  http://www.vatican.va/roman_curia/pontifical_councils/chrstuni/documents/rc_pc_chrstuni_doc_31101999_cath-luth-joint-declaration_en.html.

[3]    Church of England, ‘Collect for Unity’ (amended).

Reformation anniversary service – 29 October 2017

sermon preached at Blantyre Old Parish Church

Habakkuk 2: 1-4
Romans 5: 1-11
Dietrich Bonhoeffer, “Costly grace”

Five hundred years ago this coming Tuesday, the friar Martin Luther sent to his Archbishop in Mainz ninety-five theses protesting against the practice of indulgences.  He almost certainly did not at this stage attach them to the door of the castle church in Wittenberg whether with nails or glue; that story emerged later, around the time of his death, or perhaps at the first centenary in 1617.  Quite why this event has become known as the anniversary of the Reformation is historically unclear, but it has been marked, in 1617, 1717, 1817, and in complex fashion in 1917, in the midst of the First World War, when German Lutherans and American Lutherans took very different approaches to understanding its meaning.

Luther’s ninety-five theses were written in Latin and took the form of a typical academic set exercise. Strangely, they nonetheless soon started to attract popular attention, because their content resonated deeply with the mood of the times.  One of Luther’s friends very quickly made an unauthorised translation of the theses into German.  Luther soon composed his own German version in the shape of a sermon on indulgences and grace, in which he reiterated the key points of his theses.  People’s attention was caught, and both churchmen and lay people began to engage with his theology in ways that sparked a series of events, as the church sought to silence Luther and popular and political support for him grew. Within a generation, the Reformation had affected not only Saxony, where Luther lived, and other German territories, but also countries in Scandinavia, Switzerland and north-west Europe, including England and Scotland; later Reformation ideas would shape the New World.  By the end of the sixteenth century, Western Europeans lived in an entirely new ecclesiastical landscape, shaped by a whole new set of churches that we now call churches of the Reformation, or Protestant churches.  Lutheran, Reformed, Anglican – all of these would see the sixteenth century as a key moment of definition, and the Catholic church was changed too, as it responded to the emergence of these new churches.

In 1517, Luther did not want to start a new church; he just wanted to change, to reform the church of which he was a part.  He wanted people to understand that grace was not a commodity, not something that could be bought or sold.  As he said in the first of the ninety-five theses, citing Matthew 4:17, “When our Lord and Master, Jesus Christ, said ‘Repent’, He called for the entire life of believers to be one of penitence.”[1]  Repentance and grace, Luther wanted people to realise, are about recognising the need for change, for amendment of life.   Luther also wanted people to realise that forgiveness lay, not in the hands of the church, but in the hands of God.  In thesis 6 he wrote: “The pope himself cannot remit guilt, but only declare and confirm that it has been remitted by God.”  And he wanted people to recognise that faith in God expresses itself not only through one’s personal relationship with God, but also in love of neighbour: “Christians should be taught that those who give to the poor, or lend to the needy, do a better action than if they purchase indulgences. Because, by works of love, love grows, and a person becomes a better person; whereas, by indulgences, they do not become a better person, but only escape certain penalties.”

 

In 1517, Luther was not yet preaching the doctrine of justification by faith.  By the spring of 1518, he had come to affirm that grace was given and accepted through faith alone: “He is not righteous who does much, but he who, without work, believes much in Christ.”[2]  Or, as we might perhaps put it: “It is not the people who worry about behaving right who are righteous in God’s eyes, but people who believe in Christ.”  In other words, says Luther, “The law says, ‘Do this,’ and it is never done. Grace says, ‘Believe in this,’ and everything is already done.”  This is an early indication of Luther’s dichotomy between the law and the gospel: the law which sets us a standard which we cannot reach, and therefore shows us where we fail, and where we have need of grace; and the gospel which proclaims the promise of grace.

Luther rooted his theology of faith and grace in his reading of Romans.  The passage we heard earlier was one of those which inspired him deeply: “since we are justified by faith, we have peace with God through our Lord Jesus Christ, through whom we have obtained access to this grace in which we stand.”   Here are his glosses on this passage:

Since we are justified, through God’s imputation; therefore by faith, not by works; we have peace, in conscience and spirit; with God, although not yet with men and the flesh and the world and the devil, indeed, we have the more trouble; through our Lord Jesus Christ, as through our Mediator and not through ourselves, even though we are already justified by faith.[3]

The doctrine of justification split Lutherans and Catholics in the sixteenth century, when the Council of Trent anathemised a number of the positions affirmed by the Lutherans. It was a great ecumenical breakthrough, therefore, when in 1999, Lutherans and Catholics were able to proclaim together, in the Joint Declaration on the Doctrine of Justification:

Together we confess: By grace alone, in faith in Christ’s saving work and not because of any merit on our part, we are accepted by God and receive the Holy Spirit, who renews our hearts while equipping and calling us to good works.

The danger of the doctrine of justification by faith, through grace is, however, that people think it does not matter what they do.  Luther did not mean that.  Dietrich Bonhoeffer summarises the problem in his description of “cheap grace” in the passage that precedes his description of costly grace, which we have just heard read:

Cheap grace is the grace we bestow on ourselves. Cheap grace is the preaching of forgiveness without requiring repentance, baptism without church discipline, Communion without confession…. Cheap grace is grace without discipleship, grace without the cross, grace without Jesus Christ, living and incarnate.

Bonhoeffer, as I think did Luther, understood that grace, give freely, requires response, a response rooted discipleship, in the call to follow Jesus Christ, a response that can put us at odds with “other people, and the flesh and the world and the devil” and take us, as it did Bonhoeffer, to difficult, challenging places.

Luther’s theological conviction about grace and works led him further, to ask questions about the theology of the mass, and particularly about the practice of offering masses for the souls of those in purgatory.  Mass should be about communion, he thought, about people gathering to receive the body and blood of Christ and with them the promise of God’s grace.  Luther’ eucharistic theology rejected the idea of transubstantiation as taught by the late medieval church: the idea that at the moment of institution, the bread and wine change in substance – in the essence of what they really are – into the body and blood of Christ.  But Luther was convinced that the body and blood of Christ were truly and corporeally, physically present in the eucharistic elements, and that idea was rejected by Zwingli in Zürich.

The disagreement between the two men split the Reformation.  By the mid-1520s, Luther found himself outside the structures of the Catholic church, excommunicated and with many of his teachings condemned.  But he also found his own theology rejected by those who believed that he had not gone far enough in criticising the theology of the mass.  Zwingli argued for an understanding of the Eucharist, as he preferred to call it, that was symbolic: the bread was not actually Christ’s body, but signified, or symbolised it.  For Zwingli, the community aspect was central: the Eucharist was a moment of thanksgiving by the community to God for the gift of his grace.  Calvin emphasised the spiritual reality of Christ’s presence in the Lord’s Supper, his preferred term.  These were the theological directions that would influence the Church of Scotland so strongly, through George Wishart, John Knox and others who carried the Swiss theological ideas to preach them in Scotland.

It was these theological differences between the Reformers that gave rise to the different churches of the Reformation, with their different confessions or denominations.  They reflect the fact that in different contexts, those who sought to bring the church back to what they understood as its scriptural or early church roots had different priorities, often influenced by the different situations in which they found themselves.  If the Reformation was introduced by a city council, or by a local prince rejecting the authority of the local bishop, who in Germany would also be a territorial ruler, it took a different shape from the Reformation when it was introduced by a king who could direct his bishops to reform the church, as in England, or by reformers and lords acting against the reject and suspicious of her influence over the bishops, as in Scotland.  The multiplicity of local contexts gave rise to a multiplicity of different understandings of what a Reformation church should look like.  And the Catholic church changed too, as it responded to the Reformation and defined its theology and practice more closely.  The gospel was heard differently in different contexts; where and how do we recognise this happening today?

The Reformation, then, laid the foundations for the church landscape we know today.  And that is a landscape which reflects – and represents – considerable disunity amongst Christians.  This is a disunity which doubtless represents a failure of the church, since the Reformation, at the Reformation, but also before, as the Western and the Eastern Church split in the eleventh century over their understanding of the relationship between the Holy Spirit, the Son and the Father, or still earlier as the church fractured in the Trinitarian controversies.  In 1920, reeling from the aftermath of the First World War, and with a strong sense that the churches must act to prevent another such atrocity, the Anglican Bishops issued an impassioned call for church unity.  They spoke of the sin of fractured unity: “… self-will, ambition, and lack of charity … together with blindness to the sin of disunion, are still mainly responsible for the breaches of Christendom.”  And, they pointed out, people cannot hear the gospel because of these divisions: “The faith cannot be adequately apprehended and the battle of the Kingdom cannot be worthily fought while the body is divided, and is thus unable to grow up into the fullness of the life of Christ.”  And yet they also recognised the multiplicity of gifts in the different confessions, “standing for rich elements of truth, liberty and life which might otherwise have been obscured or neglected…”  Five hundred years the beginning of a process which led to disunity, I would want to affirm, with those bishops a century ago, and with many ecumenists since, that each of the Christian churches has gifts which we need to recognise in each other and receive from each other.

Some years ago I came across a text which I have lost and have not been able to find again.  It offered a vision of unity and I have come up with my own version which goes like this: “When the church is one, it will have the hymns of the Methodists, the liturgical sense of the Anglicans, the prayer of Roman Catholics, the local rootedness of the Baptists, the spirit of the charismatics, the social care of the Salvation Army, the theological education of the Reformed, the preaching of the Lutherans… .”  We could argue about which gifts we bring to the table.  But the point is clear:  we have gifts to offer one another, to receive from one another.  And many of those gifts are rooted in the way in which its history in and with the Reformation and its legacy shaped each individual church.

And so, at this Reformation anniversary, let us pray for unity:

Heavenly Father,
you have called us in the Body of your Son Jesus Christ
to continue his work of reconciliation
and reveal you to the world:
forgive us the sins which tear us apart;
give us grace to recognise each other’s gifts,
and us courage to overcome our fears
and to seek that unity which is your gift and your will.[4]  Amen.

[1]    Ninety-Five Theses, LW 31, 25.

[2]    Heidelberg Disputation, LW 31,41.

[3]   LW 25, 43.

[4]    Church of England, ‘Collect for Unity’ (amended).