4. Fastensonntag – 31.3.2019

Predigt in er Alt-Katholischen Gemeinde Bottrop

Josua 5, 9a. 10-12
2 Kor. 5. 17-21
Lukas 15. 1-3, 11-32

„Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er (ist sie) eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“

Stimmt das wirklich?  Seid ihr, bin ich eine neue Schöpfung?  Ist das Alte vergangen?  Sind wir neu geworden?  Diese Wörter aus dem 2. Korintherbrief (5,17) stellen uns vor viele Fragen.  Diese Fragen fordern uns heraus, sie sind aber keine Prüfung, keine Klausur.  Sie wollen uns nicht denken lassen, wir haben ein von Gott gestellte Prüfung nicht bestanden. Ganz im Gegenteil, sie sind eine Verheißung, sie sichern uns zu, dass wir zu dieser neuen Schöpfung gehören, ob wir es erkennen oder nicht.

Rowan Williams, ehemalige Erzbischof von Canterbury, hat vor ein paar Jahren ein kleines Buch geschrieben: Being Disciples – etwa „Jesus nachfolgen“.  Er überlegt, was es heißt, in der Gegenwart eines Heiligen zu sein, und stellt fest:

Heilige Menschen – Menschen, die wirklich fromm sind und nicht überfromm – verleihen dir tatsächlich das Gefühl, besser zu sein, als du bist. Die Suche nach dem Guten ist nicht mit der Teilnahme an einer Wettbewerbs­prüfung zu vergleichen, bei der manche Leute sehr gut punkten, andere grenzwertig sind und noch andere dabei sind, durchzufallen.  Nein. Irgendwie erweitert ein heiliger Mensch deine Welt, hilft dir dich selbst besser zu erkennen, schließt dich auf, erschließt dich, bestätigt dich.  Heilige Menschen stehen mit dir nicht im Wettbewerb, sie sagen nicht „Ich habe etwas, was du nicht hast.“ Sie zeigen uns … dass es für [unsere] verwirrte und beeinträchtigte Menschheit Hoffnung gibt. Gott ist so groß, dass er mit echten unvollkommenen, beeinträchtigten Menschen umgehen kann.[1]

Für Williams sind also heilige Menschen diejenige, die das das Beste aus einem herauskitzeln.

Dadurch wird aus einem einfach eine neue Schöpfung. Das liegt daran, denkt Williams, dass solche Menschen teilhaben an der Freude, die Gott an ihnen hat. Er schreibt über den südafrikanischen Erzbischof und Theologen Desmond Tutu (ein Eindruck, den ich auch bestätigen kann):

Desmond Tutu freut sich einfach, Desmond Tutu zu sein. … Aber das wirkt nicht auf mich so, dass ich erstarre oder mich verringert, zurückgestellt fühle. Vielmehr wird mir das Gefühl vermittelt, dass eines Tages durch die grenzenlose Liebe Gottes ich mich so darüber erfreuen könnte, Rowan Williams zu sein, wie sich Desmond Tutu darüber freut, Desmond Tutu zu sein.[2]

Ähnlich ist es bei einer Begegnung mit Christus.  Durch die Menschwerdung Gottes in Christus kommt eine göttliche Kraft in die Welt, „die Möglichkeiten erschließt, die die Dinge verändert;“[3] eine Kraft, die die Welt nicht kleiner, sondern größer, weiträumiger macht. Eine Begegnung mit Christus, Deshalb, schreibt Williams, „ändert die umliegende Landschaft, wirft auf alles ein neues Licht. Danach sieht man alles anders – muss alles anders sehen.  … Es gibt eine neue Schöpfung – nichts wirkt, wie es vorher war.“[4]

Ich glaube, dass Paulus gerade diese Erkenntnis, diese Erfahrung, dass alles anders aussieht, alles neu geworden ist, meint, wenn er das Leben in Christus als neue Schöpfung beschreibt, wenn er bekennt: „Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat“ (2. Kor. 5,19). Die Verfehlungen – unsere Verfehlungen, die Verfehlungen von anderen – werden von Gott nicht angerechnet. Gott sieht, dass wir besser sind, als wir oft denken; Gott geht mit uns um, als die Menschen, die er in uns sieht. Und dabei werden wir auch anders, werden wir eben dieser Menschen, den Gott in uns sieht. „So spricht Gott sein ja, so stirbt unser Nein“ haben wir gerade gesungen, und gerade darum geht es: „Lachen, sich öffnen, tanzen, befreien.“ Darüber wollen, darum sollen wir uns freuen, und diese Freude sollen wir miteinander, mit anderen teilen.

Die neue Schöpfung wirkt nach innen – wir sehen uns selbst anders – aber sie wirkt auch nach außen – wir sehen die Welt, wir sehen die Menschen um uns anders.  Thomas von Aquin schreibt über die Liebe, dass sie eint und verdichtet (amor est vis unitiva et concretive), sie ist eine Kraft, die zum Zentrum hinführt, eine zentripetale Kraft.  Gleichzeitig ist die Liebe aber eine nach außen ziehende Kraft (amor facit extasim), eine zentrifugale Kraft, eine Kraft, die unsere Aufmerksamkeit vom Zentrum zur Peripherie umschichtet.[5] Das heißt: Die Liebe Gottes bestätigt uns, bejaht uns, bekräftigt uns, nicht um uns selbst willen, sondern darum, dass wir selber die Liebe Gottes ausstrahlen. Damit werden wir, wie Paulus schreibt, „Gesandte an Christi statt. … Gott ist es, der durch uns mahnt“ (2. Kor. 5,20). Durch uns sehen auch andere Menschen – sollen auch andere Menschen sehen –, „den Gott, der uns nicht loslässt, den Christus, der nicht davonläuft.“[6] Nach Williams ist gerade dies unsere Aufgabe:

Durch unsere Treue den Verlorenen, den Leidenden und den Ausgegrenzten gegenüber, beginnen wir zu zeigen, was es bedeutet, an den Einen zu glauben, der nicht loslässt.[7]

Denn es geht beim Glauben nicht um „ein kluges System, sondern um die Möglichkeit tragenden Beziehungen.“[8] Teresa von Avila drückt dieser Gedanke in ein Gedicht aus:

Christus hat niemanden auf Erden außer euch, keine Hände außer euren, keine Füße außer euren, Deine Augen sind es, durch die man auf Christi Erbarmen gegenüber dieser Welt blickt; Deine Füße sind es, mit denen Christus herumgeht, um Gutes zu tun; Deine Hände sind es, mit denen er die Menschen jetzt segnet.[9]

Es handelt sich aber dabei nicht um einen wilden Aktivismus, sondern darum, dass wir für andere da sind, damit andere auch diese „Möglichkeit tragenden Beziehungen“ erleben. Damit sind wir wieder bei den Heiligen, die in Christus eine neue Schöpfung sind, die die Zuverlässigkeit Gottes für uns darstellen. Für Henri Nouwen ist der wahre Freund

nicht jemand, der alle deine Probleme lösen oder jede Frage antworten kann. Nein, der wahre Freund ist jemand, der nicht abhaut, wenn es keine Lösungen oder Antworten gibt, sondern bei dir bleibt und dir treu ist, … der dir sagt, ‚Egal was passiert, bin ich dein Freund, du kannst dich auf mich verlassen.‘[10]

Durch die Menschwerdung Christi, durch Christi Tod und Auferstehung, hat Gott „Mitgefühl als der Weg zur Freiheit“ eingeschlagen.[11] Wir sind aus neue Geschöpfe in Christi berufen, auch mit anderen so umzugehen, dass sie vermittelt bekommen, dass auch sie neue Schöpfungen des Geistes sind, dass sie geliebt, vergeben werden.

Damit kommen wir da an, wo wir heute mit der Geschichte des verlorenen Sohns eigentlich hätten anfangen können. Es geht in diese Geschichte darum, dass der Vater nicht nur den einen Sohn, sondern beide Söhne bedingungslos liebt. Er geht auf beide zu, will beide gutes tun. So macht Gott es mit uns auch. So ist die Liebe Gottes, schreibt Oliver McTernan: „Was auch immer unser menschlicher Zustand sein mag, sei es durch Ignoranz oder Arroganz hervorgerufen, bleiben wir liebenswert in den Augen Gottes, der immer bereit ist, uns vorbehaltslos willkommen zu heißen, in seine Armen zu schließen.“[12]

Damit ist für mich der eigentliche Kern der christlichen Gnadenlehre beschrieben. Wir werden von Gott bedingungslos, vorbehaltlos akzeptiert und geliebt. Als Antwort darauf kommt dann die Umkehr, das Bestreben, so zu werden, wir Gott uns auch sieht. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn inspiriert ein Gebet aus der Liturgie der Church of England, eine Danksagung auf die Eucharistie, die diese Zuwendung Gottes betont, die Fähigkeit und Bereitschaft Gottes auf uns zuzukommen, damit wir wiederum auf andere zugehen:

Liebender Gott,
wir danken dir und preisen dich:
Als wir von dir weit entfernt waren,
kamst du uns in deinem Sohn entgegen
und brachtest uns heim zu dir.
Im Leben und im Sterben
verkündete er deine Liebe,
schenkte uns Gnade,
öffnete das Tor Deines Glanzes.
Mögen wir, die den Leib Christi teilen,
seine Auferstehung leben;
Mögen wir, die deinen Kelch trinken,
sein Leben anderen schenken;
Mögen wir, die vom Geist erleuchtet werden,
sein Licht in die Welt bringen.
Halte uns fest in deiner Verheißung,
dass wir und alle deine Kinder befreit werden,
und die ganze Welt deinen Namen ehre und preise!
Durch Jesus Christus deinen Sohn, unseren Bruder.[13]

Als wir von dir weit entfernt waren, kamst du uns in deinem Sohn entgegen und brachtest uns heim zu dir.

Wir sind doch eine neue Schöpfung.

Amen

 

[1]   Rowan Williams, Being Disciples: Essentials of the Christian Life (SPCK 2016), S. 50.

[2]   Ebd., S. 51.

[3]   Ebd., S. 50.

[4]   Ebd., S. 52.

[5]   Leo J. O’Donovan, “Ambassador of Christ: In Memory of Walter J. Burghardt, S.J. (1914–2008),” Theological Studies 69 (2008), S. 493-508; hier S. 495.

[6]   Williams, Being Disciples, S. 25.

[7]   Ebd., S. 25-26.

[8]   Ebd., S. 25.

[9]   Siehe https://www.thecathwalk.de/2016/10/19/interview-mit-einer-heiligen-teresa-von-avila-in-ihren-eigenen-worten/.

[10]   Henri Nouwen, Letters to Marc about Jesus (Darton Longman and Todd 1988), S. 28-29.

[11]   Ebd. S. 26.

[12] Oliver McTernan, „Unconditional Love“, in Hannah Ward and Jennifer  Wild (eds), Resources for Preaching and Worship, Year C (Westminster John Knox Press 2003), S. 110.

[13]  Englischer Text: “Father of all, we give you thanks and praise, that when we were still far off you met us in your Son and brought us home. Dying and living, he declared your love, gave us grace, and opened the gate of glory. May we who share Christ’s body live his risen life; we who drink his cup bring life to others; we whom the Spirit lights give light to the world. Keep us firm in the hope you have set before us, so we and all your children shall be free, and the whole earth live to praise your name; through Christ our Lord.” (vgl. https://www.churchofengland.org/prayer-and-worship/worship-texts-and-resources/common-worship/holy-communion#mm7c2).

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Lent 1 – 10 March 2019

sermon preached at St Margaret Newlands

Deuteronomy 26:1-11
Romans 10:5-15
Luke 4:1-13

So here we are again at the beginning of Lent.  This period of forty days of reflection, of prayer, which mirror Jesus’s forty days in the desert.  Or do they?  For many of us life will no doubt go on much the same, with work, or school, or whatever forms our daily round.  Perhaps it might be a bit different because you may have a Lenten discipline to mark out this time. But do we use this as a time to encounter God more closely?  To reflect on our lives with God?  That was surely the key for Jesus.  Our gospel reminds us of how after his baptism Jesus took time to be on his own, to pray and meditate in the wilderness.  And it also reminds us of how challenging that proved to be.  Even for Jesus, spending forty days alone meant a time confronted by demons, or in this case the devil.

Stopping to reflect can itself be a challenge. I wonder often whether busy-ness does not keep us – or keep me at least – away from those uncomfortable voices that ask questions about our deepest needs.  The Jesuit John Kavanaugh reflects on this too:

We avoid the desert, the loneliness, the loss of familiar support, the grand stillness. If we go into the wilderness, we will be reminded of the great hunger. We will be dwarfed by the earth’s mighty movements.
Enter distraction. If we keep ourselves ceaselessly preoccupied, we might be spared the pain and the pained. We need not pay attention to the terrible precariousness of our condition. We need not embark on the quest for an answer to our absolute lack. Perhaps if we entertain ourselves to death, we may be able to divert our way through life.[1]

Part of what Lent is about is engaging with “the terrible precariousness of our condition … our absolute lack.” One of the challenges to us in our relatively affluent context may be to admit our own lacks, to recognise our own neediness. Of course, sometimes we are confronted with that neediness all too abruptly, when we or someone we love becomes ill, when a relationship collapses, in those times when the world seems a dark place.  Those are the moments when desperation may drive us to grace, or when desperation may even in itself be a kind of grace. But sometimes we don’t really feel our neediness much at all.  Lent can offer a time to consider our needs before we are driven to it.

In approaching Lent, we recognise that for most of us, fears around existence are probably not what drive us. We may well have other fears; we will certainly have other needs. In the wilderness Jesus is hungry, and food is the first temptation the devil puts before him: “If you are the Son of God, command this stone to become a loaf of bread.” Jesus answers, “It is written, ‘One does not live by bread alone’.”  We will all realise that Jesus’s response “one does not live by bread alone” is true, although we can also see that it would not be a great thing to say to a starving person, or even to someone very hungry, especially, if they (like me) get very irritable when their blood sugar level starts dropping. And that is because without food, we cannot function; we will die.

When we think about what we need, bread, or at least food, is fundamental. Back in the 1940s, the American psychologist Abraham Maslov proposed what he called a hierarchy of needs, which he wanted to use to think about how healthy people function. Maslov identified five levels of need.[2]  The most fundamental needs are basic biological needs: food, drink, air, shelter, clothing, warmth, sleep.  Without them, our bodies cannot function properly, or at all.  Another pretty basic need is the need to feel safe: “protection from elements, security, order, law, stability, freedom from fear.”  Then come needs around feeling loved and belonging: the need to exist in a social context and social networks, to experience friendship, intimacy, trust, and acceptance, to receive and give affection and love, to be part of a group whether family, friends, or work.  We have needs around esteem, in terms of dignity, achievement, competence, independence, and around respect from others.  Finally, we have needs related to realizing personal potential, self-fulfilment, seeking personal growth and self-actualisation: the desire “to become everything one is capable of becoming”. As believers we might associate that with a call from God to become what God calls us to be.  The fulfilment of all these different types of need, suggested Maslov, contributes to our sense of well-bring and to our sense that we are living the life we are called to live.  They are a hierarchy in the sense that esteem, for instance, is not likely to be experienced as the primary need by a person who is homeless or hungry.

Maslov’s hierarchy of needs helps us to understand Jesus’ response to the devil’s temptation, “One does not live by bread alone.”  It articulates the realisation that, as the American author Richard Wright put it in his novel Native Son, “One can starve from a lack of self-realization as much as from a lack of bread.”  For Richard Wright, as he reflects in his novels and in his autobiography Black Boy, which describes his long periods of physical hunger as a child, any type of hunger represents a deep desire for, or a profound lack of, something important.  All this should help us to understand that Lent is a time in which we may come to understand better what it is we lack, particularly in our relationship with God, in growing into the people God wants us to be.

Moreover, Maslov’s hierarchy of needs can also help us to see that part of the process of understanding what we lack, what we need, is identifying, recognising and giving thanks for what we have.  Deuteronomy points to the joy of sharing first fruits, the joy of giving thanks, the joy of being able to “celebrate with all the bounty that the Lord your God has given to you and to your house.”  What do we have to give thanks for?  Maslov offers some possible answers: for many of us they would include not being physically hungry or thirsty today, having a home, living in what is (despite everything) a remarkably secure and peaceful state, our friends and family, however difficult those relationships may sometimes be.  We can recognise that our hungers may well mostly be un-physical ones, and in identifying the needs we do have, can also give thanks for those which are already fulfilled.

Our society does not often encourage us to do this. Some years ago, I took part in a fascinating and challenging week of training on conflict resolution run by the Mennonite Centre in London. Early in the course we participants were asked to stand in a line.  Then the course leader said: take one step forward if you are female, and two if you are male.  Two steps forward if you are aged between twenty-five and forty-five, one if you are over forty-five and under sixty, one step back if you are under twenty-five or over sixty-five.  Two steps forward if you are white, or if you have a degree, or if you earn more than a certain amount… One step back if you are black, or left school with no qualifications, or are unemployed… As the questions went on, the group that had started on one line became spread out, depending on these differences. We were then asked to reflect with in small groups of people who had ended up close together. What was fascinating for me was the subsequent discussion, when the group that had ended up furthest forward amongst our course participants focused in their reflection on how they really weren’t at the front at all; they were really behind all these other absent people, people who were not on the course.  That was no doubt true; but they had come out at the front of all the others who were on the course, and somehow they could not quite see that, or at least not quite accept it.

This exercise left me pondering how easy it is to see what we don’t have but others do have, and not to see what we do have that others don’t.  Lent may be a time for taking honest stock, for giving up but also for giving thanks.  What might help us to see what we have?  One way might be to undertake the Lent challenge:  Each day of Lent, remove one item from your cupboards that you no longer wear or need and put it into a bag.  At the end of Lent, on Holy Saturday, donate these items to the charity of your choice.  That might be a fine way of reflecting on what we have.

One of the reasons for being thankful for what we have as well as identifying what we need is that it can help us to resist the temptation to take short cuts to attaining our needs.  Oscar Wilde famously said, “I can resist anything except temptation.”  One of the points of the story of Jesus in the wilderness is that he does resist temptation.And for many of us the discipline of Lent is about just that: six weeks of not falling into temptations.

But what are these temptations?  They are not really about wine, or chocolate, or whatever our pspersonal fasting discipline is, although they can certainly stand for something deeper.  Fergus Kerr points out that in the account of Jesus in the wilderness, the temptations Jesus faces also stand for something deeper, something rooted in the history of the people of Israel:

The temptations of Israel’s wilderness years lurk in the background. The forty years become forty days.  The lamentations, infidelities and idolatrousness of the people as they journey through the wilderness to the Promised Land are symbolically recapitulated and this time of course totally resisted. In their hunger the people had to learn that one does not live by bread alone (Deut 8:3); painfully they had to be taught not to run after other gods (Deut 6:13); and finally they had to learn not to put God to the test (Deut 6:16).[3]

Jesus models a way of resisting all these ways of focusing on self, putting ourselves above God.

That reminds us that although using Maslov’s hierarchy of needs to think about our own needs is helpful, we need to be sure that we do not individualise – and thus trivialise – these temptations.  Darrell Jodock suggests that to understand what temptation truly is, we must grasp that we are never whole and complete in ourselves, but constituted in our relationships to others. For Jodock, temptation seeks to “distort our selfhood”; we need to recognise that “every deformed relationship warps the self, every broken relationship diminishes it.”[4] We can see this articulated in the gospel too.  Paul J. Achtemeier sees the real temptation in the devil’s encouragement to Jesus to focus on himself, to the exclusion of others.  Reflecting that Jesus will later feed the five thousand, Achtemeier affirms: “The question is not if Jesus will use his power to feed the hungry masses. It is: will Jesus use his sonship to satisfy himself?”[5]  This is why self-actualisation can never the final aim for the believer.  We are called by God into community, as a community. The church is the community of all those who are called by God to bring the good news of the gospel to God’s world.  A friend commented to me when we were discussing this sermon that Lent is about shifting from using other people and loving things to loving other people and using things.  That seems to me exactly right. Are we in danger of using our discipleship to satisfy ourselves?  Do we see, and feed, the hungry around us?

This brings us back to confession and the modelling of faith which lie at the heart of what Lent is about.  Jesus’s foundation in withstanding the temptations with which he is confronted was surely what Paul describes in writing to the Romans, also citing Deuteronomy: “The word is near you, on your lips and in your heart.”  This is reliance on God.  Some years ago, Paula Gooder published a group study guide, A Way Through the Wilderness: Experiencing God’s help in times of Crisis.  She described this programme as a “God-help” guide rather than a “self-help” guide, a guide intended to open participants up to “the assurance of God’s love and care as we make our way through life ad negotiate the good and the bad times.”[6] This offers us a profoundly helpful way to see the gift of Lent: a time which provides us with a God-help guide, reminding us to be thankful for what we have, and opening us up to realise what we truly need.

Amen

[1]  See http://liturgy.slu.edu/1LentC031019/theword_kavanaugh.html.

[2]  See https://www.simplypsychology.org/maslow.html.

[3]   Fergus Kerr, “21st February: 1st in Lent: Luke 4:1-13,” The Expository Times 121 (2010), 191-192, at 191.

[4]   Darrell Jodock, “Antidote for temptation,” The Christian Century 112 (1995), 203.

[5]  Paul J. Achtemeier, “Enigmatic Bible Passages: It’s the Little Things That Count (Mark 14:17-21; Luke 4:1-13; Matthew 18:10-14),” The Biblical Archaeologist 46 (1983), 30-31, at 31.

[6]  Paula Gooder, A Way Through the Wilderness: Experiencing God’s help in times of Crisis (Church House Publishing 2009), 1.

 

Epiphany 7 (C) – 24 February 2019

sermon preached at St Margaret’s Newlands

Genesis 45:3-11,15
1 Corinthians 15:35-38,42-50
Luke 6:27-38

Today we are baptizing Charlotte (a small Charlotte, as opposed to me, a bigger Charlotte).  Baptism is an articulation of God’s blessing on her, an affirmation that she is welcome in God’s world.  And it is a particular welcome into the church, a recognition that she, like each one of us, is one of God’s people.  As the service reminds us, this is – or should be – a recognition to which we respond: “God gives us life. In Christ God reaches out to us. In baptism God calls us to respond.”  Baptism draws us into the mission of God for the world.  Each of us, each in our own way.

What that means in practice can be tricky to tease out: how does our baptism affect our lives?  Because that is a question for each of us, it is important that we baptise the new members of our community amongst us, in our gathered community, here on Sunday morning.  Charlotte’s baptism today should remind us of our own baptism, of the promises that we made in it.  It should remind us that we are baptized, indeed. Charlotte’s parents and godparents have made promises on her behalf.  These are promises which in some form or another or all of us who have been baptised have made:

Do you renounce evil?
Do you repent of sin?
Do you turn to Christ?
Will you follow Christ?[1]

The key to understanding these questions is the recognition that, as the liturgy affirms, “the Christian life means turning from evil and turning to Christ.”  Evil and sin are terms that people nowadays sometimes struggle with, and I often think that we – or our baptism service (and not only the SEC’s) have this the wrong way round.  It is because we turn to Christ – or better said, it is in turning to Christ – that we turn our backs on the things that lead us away from Christ, which we call evil and sin. The way the service is set up, the focus seems to be on the renunciation of evil and sin, but really the focus is, or should be, on the turning to Christ.  In turning to Christ, we turn our backs on other things, on the things that are preventing us from following Christ, recognising Christ in our lives.

We are baptizing Charlotte today, who is six months old, but this has been a week of babies for me.  On Wednesday my newest great-niece was also born, and yesterday one of my former doctoral students had her first baby. All these babies may remind us that pregnancy and birth offer an apt metaphor for our own baptised life of faith, our own opening ourselves to Christ.

For there is a sense that through our baptism the seed of Christ is fertilised to grow within each of us.  All of us, each of us is called to allow the Word who is Christ to grow and move within us, to grow us and change us, to alter the way we interact with the world, to make a difference to who and how we are, in ways we may or may not like.  Perhaps faith does not give many of us morning sickness (or does it?), but the growth and the movement of the Word within us may show us sides of ourselves we did not know and may be surprised by; may grow us and stretch us in odd, not always comfortable ways; may reveal depths of joy and wonder we did not expect in ourselves, which may remind us of Mary’s wonder and awe that God had chosen her to be the mother of Jesus, or the joy and awe that attends the birth of any child.  There are things a pregnant mother may decide not to do, and in awareness of Christ growing within us there are things we might not do as well. There are disciplines in being pregnant intended to help the baby develop and check on its development, and disciplines, such as prayer or meditation or spiritual reading, or attending church, which are intended to help Christ to grow within us and help us to become aware of how he does, or does not.  And just as a pregnant mother is ware that she needs to avoid some foods, drinks, activities, which might damage her baby, when we are aware of Christ growing within us, we know too that there are things we could do which would damage that growth. Each of us is called to nurture Christ within us, to allow ourselves to wonder and be changed.

We find indications of all this in the baptism service:

Will you continue in the Apostles’ teaching and fellowship, in the breaking of bread and in the prayers?
Will you proclaim the good news by word and deed, serving Christ in all people?
Will you work for justice and peace, honouring God in all Creation?

It is not a coincidence that these questions are closely related to the Anglican Five Marks of Mission, which offer a reminder of the many different ways in which we share the good news of God’s love for the world:

to proclaim the Good News of the Kingdom
to teach, baptise and nurture new believers
to respond to human need by loving service
to transform unjust structures of society, to challenge violence of every kind and pursue peace and reconciliation
to strive to safeguard the integrity of creation, and sustain and renew the life of the earth.[2]

When we affirm that these are the task of the church, we are affirming that it is our task too, that we are all called to live and work for the kingdom of God.  Faith takes us outside ourselves. Faith, as our Old Testament reading and Gospel remind us today, takes us to places where we can forgive those who have treated us unforgivably, and love those whom we might more naturally see as our enemies.  For faith grows into something outside ourselves, bigger than ourselves. The Christ within us must be brought out into the world, just as the baby Jesus must be born into the world.  We are called to be bearers of Christ, not to keep what has grown to ourselves, but to birth the image of Christ whose seed grows within us into the world.

Baptism reminds us that, as Teresa of Avila said:

In this world, Christ has no body but yours,
No hands, no feet on earth but yours,
Yours are the eyes with which he looks compassion on this world,
Yours are the feet with which he walks to do good,
Yours are the hands with which he blesses all the world
Yours are the hands, yours are the feet,
Yours are the eyes, you are his body.
Christ has no body now but yours,
No hands, no feet on earth but yours,
Yours are the eyes with which he looks compassion on this world.
Christ has no body now on earth but yours.

So on this day of baptism, reflect on your own baptismal vows.  What is God saying to you today?  What are you called to be doing?  Where are you called to be?

Amen

[1]  Scottish Episcopal Church, Holy Baptism 2006 (https://www.scotland.anglican.org/who-we-are/publications/liturgies/holy-baptism-2006/).

[2]    See, https://www.anglicancommunion.org/mission/marks-of-mission.aspx.

6. Sonntag im Jahreskreis – 17. Februar 2019

Predigt in der altkatholische Friedenskirche, Essen

Jeremia 17, 5-8
1 Kor 15, 12. 16-20
Lukas 6, 17. 20-26

Wie haben wir das dann zu verstehen, was Lukas im heutigen Evangelium schreibt?

Selig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet gesättigt werden. … Weh euch, die ihr jetzt satt seid; denn ihr werdet hungern.  Weh euch, ihr Reichen; denn ihr habt euren Trost schon empfangen.

Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen. … Weh, die ihr jetzt lacht; denn ihr werdet klagen und weinen.

Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und wenn sie euch ausstoßen und schmähen und euren Namen in Verruf bringen um des Menschensohnes willen. … Weh, wenn euch alle Menschen loben. Denn ebenso haben es ihre Väter mit den falschen Propheten gemacht.

Sind wir, die wir in einer wohlhabenden Gesellschaft leben, damit verdammt?  Dies ist eine schwierige Stelle, die Armut und Trauer nicht spirituell versteht, wie Matthäus es tut.  Im Matthäusevangelium Kapitel 5 klingen die Wörter Jesu etwas tröstlicher: „Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden. Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen; denn ihnen gehört das Himmelreich.“  Bei Matthäus wirken die Seligpreisungen eher erbaulich, bei Lukas vielleicht sogar etwas bedrohlich.

Diese Wörter des Lukas sind hart, aber ich denke, sie haben uns etwas sehr Wichtiges zu sagen. Sie warnen nämlich vor der Gefahr, dass wir uns auf uns selbst verlassen, dass wir glauben, dass wir aus eigener Kraft, eigenen Mitteln in der Lage sind, Gutes zu tun, Beeindruckendes zu erreichen.  In der heutigen Gesellschaft werden wir nicht bloß dazu verlockt, sondern darauf getrimmt.  Wir sollen selbständig, eigenständig schaffen, betonen, was wir alles erreicht haben.  Dabei verliert man, frau schnell aus dem Auge, was in einer meiner Favoriten unter den Eucharistiegebete betont wird: „Alles, was wir unser nennen, genügt nicht, wenn wir dich nicht haben.“  Oder wie im Tischgebet: „Alle guten Gaben, alles was wir haben, kommt, oh Gott, von dir. Wir danken dir dafür.“

Wir haben alles von Gott, aber Gott gibt uns auch alles, was wir brauchen, ganz, ganz viel, wenn wir uns auf ihn verlassen.  Ignaz von Loyola, Begründer des Jesuitenordens schrieb: „Die meisten Menschen ahnen nicht, was Gott aus ihnen machen könnte, wenn sie sich Ihm nur zur Verfügung stellen würden.“  Deshalb entwickelte er seine Exerzitien, damit die Menschen üben konnten, wie sie Gott zu Verfügung stehen könnten.  Es geht nicht darum, gequält zu sein, sondern herauszufinden, was Gott von mir, mit mir will.  Die sogenannte Unterscheidung der Geister gehört dazu. Sie ist ein wesentlicher Schritt bei den Exerzitien. Dabei geht es, wie das Zentrum für Ignatianische Pädagogik es ausdrückt, „die Wirkung des Geistes Gottes von den Wirkungen anderer Kräfte zu unterscheiden. … Spricht Gott zu mir – oder etwa jemand ganz anderes?“[1] Das heißt, wie entscheide ich mich, wenn etwas Wichtiges dran ist?  Welcher Weg ist Gottes Weg?

So wird eine solche Entscheidung von der pastorale im Erzbistum Paderborn beschrieben:

Es geht darum, sich nicht wie ein Blatt im Wind von irgendwelchen Gedanken, Stimmungen, Plänen oder Gefühlen treiben zu lassen, sondern zu prüfen, welche Regungen zum Guten führen, dem Willen Gottes entsprechen und welche nicht.
Zum Guten führt eine Regung, wenn ich spüre: so zu handeln wird mich erleichtern, mir mehr Freiheit, Zufriedenheit, inneren Frieden… schenken; es wird mein Vertrauen stärken und mir helfen, in geglückten Beziehungen zu leben, oder das Richtige zu tun. lgnatius von Loyola spricht in diesem Zusammenhang vom “Trost“.
Zum Schlechten führt eine Regung, wenn sie mich vielleicht trotz anfänglicher Genugtuung oder Befriedigung letztlich eng, unfrei, mürrisch, unzufrieden macht; wenn ich spüre: das führt zu Mutlosigkeit, Bitterkeit, Misstrauen, Resignation, Erschöpfung, oder macht durch Unwahrhaftigkeit jeden echten Umgang miteinander unmöglich. lgnatius spricht hier vom “Mißtrost“.[2]

Unsere Lesung aus dem Prophetenbuch Jeremia bietet eine Metapher an, die uns solche Regungen in Gott verwurzelt zeigt:

So spricht der HERR: Verflucht der Mensch, der auf Menschen vertraut, auf schwaches Fleisch sich stützt und dessen Herz sich abwendet vom HERRN.
Er ist wie ein Strauch in der Steppe, der nie Regen kommen sieht; er wohnt auf heißem Wüstenboden, im Salzland, das unbewohnbar ist.

Das sind die zum Schlechten führenden Regungen, die für uns nicht in Gott verwurzelt sind.  Es handelt sich um das,

  • Was über meine Kräfte gehet, was mich permanent überlastet und überfordert.
  • Was nur mit äußerster Anstrengung, mit Gewalt und Kampf verwirklicht werden kann, mit viel Hast und Hektik verbunden ist und Ängste auslöst. …
  • Was keine “Erdnähe“ hat und nicht konkret werden kann.
  • Was lieblos ist und sich für mich und andere destruktiv auswirkt. …
  • Was mir den Sinn für das Gebet und die Freude daran raubt.[3]

Aber dann beschreibt Jeremia das Gute, das in Gott verwurzelte:

Gesegnet der Mensch, der auf den HERRN vertraut und dessen Hoffnung der HERR ist.
Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und zum Bach seine Wurzeln ausstreckt: Er hat nichts zu fürchten, wenn Hitze kommt; seine Blätter bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge, er hört nicht auf, Frucht zu tragen.

Wir erkennen ein solches Vorhaben, eine solche Regung:

  • Wenn sich etwas gut einfügt in den Rahmen meiner anderen Aufgaben und Verpflichtungen.
  • Wenn sich etwas “wie von selbst“ mir nahe legt.
  • Wenn ich bei der Erwägung eines Vorhabens ein gutes Gefühl habe, mag das Vorhaben auch noch so schmerzlich und hart für mich sein. …
  • Wenn ich mir gut vorstellen kann, daß auch Jesus so entscheiden und handeln würde. …
  • Wenn ein Vorhaben in mir Glauben, Zuversicht und Vertrauen hervorruft bzw. herausfordert.
  • Wenn es der Liebe dient; Ausdruck der Liebe ist und sie stärkt.[4]

In Gott verwurzelt bekommt man Kraft, bekommt Zuversicht, weiß, dass man sich nicht auf sich selbst verlassen muss, sondern sich auf Gott verlassen kann.  So dürstet die Seele, hungert die Seele, verlangt die Seele nach Gott.

Darum geht es bei Paulus, wenn er über die Auferstehung schreibt.  Weniger bei unserer heutigen Stelle im 1. Korintherbrief, aber sehr deutlich im 2. Korintherbrief, bringt Paulus seine eigenen Erfahrungen ins Gespräch mit der Auferstehung.  „Das Leid und der Trost stehen … in dem bekannten Muster Tod – Auferstehung.“[5]  Paulus schreibt im 2. Korintherbrief 4, 10-11:

Immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird.  Denn immer werden wir, obgleich wir leben, um Jesu willen dem Tod ausgeliefert, damit auch das Leben Jesu an unserem sterblichen Fleisch offenbar wird.

Bei Paulus geht es um Leid, das Trost erfahren kann, um Leid, das dadurch transformiert wird, die Auferstehung erlebt.

Ich glaube, unsere Stelle aus dem Lukasevangelium ist auch in diesem Zusammenhang zu verstehen. Es geht bei Lukas um Leid, das Trost sucht, und das getröstet werden kann.   Der amerikanische Theologe Steve Pankey schreibt über diese Stelle:

Der Buchstabe des Gesetzes hat eine Welt geschaffen, in der es die Armen, die Hungrigen und die Traurigen gibt. Der Buchstabe des Gesetzes hat in seiner gegenwärtigen misshandelnden, schmähenden Inkarnation eine Klasse Menschen geschafft, die so reich sind, dass sie gar nicht mit sich selbst anzufangen wissen, die so satt sind und trotzdem immer mehr wollen, die auf anderen, weniger Glücklichen herabschauen und sie aus Verachtung auslachen.[6]

„Klartext bei Lukas“ nennt Rica E. Friedberg dieser Stelle:

Hunger, der selig macht
Tränen, die selig machen –
Anerkennung, die weh tut
das Paradox
des christlichen Lebens
ist keine Panne
die Zumutung
ist eine Voraussetzung
für wahre Jüngerschaft.[7]

David E. Holwerda versteht die Aussagen des Lukas so: Gott erwartet von den Reichen – von uns Reichen (oder Reicheren), dass sie ihren Reichtum für die Armen einsetzen.  Wenn sie das nicht tun, werden sie sich durch „Gottes eschatologische Umkehrung“ außerhalb „des eschatologischen Segens“ befinden.[8]

Umkehr ist aber möglich. Auch wir können in Gott verwurzelt sein.  Denn „die Zumutung / ist eine Voraussetzung / für wahre Jüngerschaft.“

Amen

[1] Siehe: https://zip-ignatianisch.org/wp-content/uploads/ZIP_Unterscheidung_der-Geister_Erlaeuterung.pdf.

[2]   Siehe: https://www.pastorale-informationen.de/medien/28935/original/669/Unterscheidung-der-Geister.pdf.

[3]   Ibid.

[4]   Ibid.

[5]   Chalmer E. Faw, Death and Resurrection in Paul’s Letters, Journal of Bible and Religion 27 (1959), pp. 291-298, at 292.

[6]  Siehe https://draughtingtheology.wordpress.com/.

[7]  Te Deum, Februar 2019, S. 178.

[8]  Zitiert nach: http://www.ucc.org/weekly_seeds_being_blessed.

Epiphany 3 (C) – 27 January 2019

sermon preached at St Margaret’s Newlands

Nehemiah 8: 1-3, 5-6, 8-10
1 Corinthians 12:12-31a
Luke 4:14-21

This past week has been the Week of Prayer for Christian Unity.  As our diaries would have it, Scott and I spent Thursday afternoon here at St Margaret’s with a group of students from the University of Glasgow recording four early services for BBC radio Scotland, to be broadcast at the end of February and into March.  Several of those students are candidates in training for ministry in the Church of Scotland. So there we were, an ecumenical group, praying and worshiping together (in as much as that is possible when you are being recorded), right in the middle of our week of prayer for unity.  What is more, the services we were recording were based around the hymn “Thy hand O God has guided…” with its refrain that proclaims unity: “one church, one faith, one Lord!”  And yet, this was not our theme in these services.  No: our theme, drawing on the verses of the hymn, was calling.  How does God draw us into God’s mission for the world?

Reflecting on that question, we might ponder what God’s mission in and for the world is.  There has often been a tendency to associate mission very closely with evangelism, with conversion:  the winning and nurturing of new believers.  And this remains important: the church exists to share the gospel, to spread it, to draw in new believers, to make new disciples.  But the point of making those new disciples is not to grow the church; the point is to witness to God’s presence in the world.  And we do that also, as the five marks of mission remind us, not only when we preach and proclaim the gospel and when we teach, baptize and nurture new believers; but also when we respond to human need by loving service; also when we seek to transform unjust structures in society and to bring about peace and reconciliation; also when we strive to safeguard the integrity of creation and to sustain and renew the life of the earth.

In today’s gospel, Christ preaches his first sermon as testified by Luke’s gospel.  He quotes Isaiah: “The Spirit of the Lord is upon me, because he has anointed me to bring good news to the poor. He has sent me to proclaim release to the captives and recovery of sight to the blind, to let the oppressed go free, to proclaim the year of the Lord’s favour.” And then he says to the people: “Today this scripture has been fulfilled in your hearing.”  The coming of Christ, the implication is, is about the transformation of the world. We are called not only to believe, but to allow ourselves to be drawn into God’s transformative work.

Last week we were with Jesus at the wedding of Cana.  We were wondering at the miracle of turning water into wine, which in John’s gospel marks the beginning of Jesus’s public ministry.  John shows us Jesus’s ministry beginning with a feast.  Jürgen Moltmann’s explored this theme in his book The Living God and the Fullness of Life (2014).  He points to the words of Athanasius, a theologian of the early church: “the risen Christ makes of life a never-ending festival.”[1]  But while John’s gospel shows Jesus’s public ministry beginning with a party, Luke’s shows us Jesus’s public ministry beginning with this call to justice, a calling for the transformation of the whole world. This, Jesus tells his hearers, is the stuff of the gospel. This prophetic vision of the transformation of the world is what he has come to fulfil. This is a party, a celebration that is meant for everyone.

Jesus’s hearers are not going to react well to this, but that is a challenge for next week’s preacher.  What should matter to us, as we hear this passage read, is the realisation that accepting the gospel into our hearts means becoming drawn into the transformative processes of the world. And this is, in a very profound way, a call to unity.  Understanding discipleship as becoming involved in God’s mission to transform the world calls us as Christians to be and to work together, with each other, and also with others who would not identify as Christian. This is the central theme of the materials provided this year for the Week of Prayer for Christian Unity.  Drawing on the experiences of the preparatory group in Indonesia, these materials emphasise that Christian unity is not exclusively – not even primarily – about overcoming denomination or confessional difference in a theological sense:

Our prayers for Christian unity are offered within a context of a world where corruption, greed and injustice bring about inequality and division. We ourselves are often complicit in injustice, and yet [we are] called together, to form a united witness for justice, and to be a means of Christ’s healing grace for a fractured world.[2]

Sometimes, this may be a call to the church to repentance at its own complicity – at our own complicity – in unjust structures, as the preparatory group acknowledges:

the Bible does not present faith in the abstract, something only with a spiritual dimension, but one lived in the visceral reality of the world as we find it. And because the world contains injustice the church too can become a place that is embroiled in the very injustice that exists today.[3]

What is important is that Christian unity cannot be separated from the world’s unity; our wholeness cannot be separated from the world’s wholeness:

when we pray for unity, we also pray for a world made whole. When we pray for unity we are acknowledging that unless we end our divisions, the Church is a poor advocate for justice and when we pray for unity we also acknowledge that the injustice in our society also intrudes to our shared Christian life together.[4]

Our response should be to work together for the transformation of the world.  But this means recognising that the world is a place that needs transformation. The poet Maggie Smith recognises the challenges:

For every bird there is a stone thrown at a bird.
For every loved child, a child broken, bagged,
sunk in a lake. Life is short and the world
is at least half terrible, and for every kind
stranger, there is one who would break you,
though I keep this from my children. I am trying
to sell them the world. Any decent realtor,
walking you through a real shithole, chirps on
about good bones: This place could be beautiful,
right? You could make this place beautiful.[5]

“You could make this place beautiful.”  I am not sure that Maggie Smith thinks this is possible, but Jesus does. Jesus tells us we can do this:  we can make this world a place where the captives are released, the blind recover their sight, and the oppressed go free.

Each of us has our own part to play in this process of transformation, and it is an important part.  Paul in his first letter to the Corinthians emphasises that we all have different gifts. His words are often related to the church and ministry within the church, but they are just as much about how we live our lives in the world, seeking to make it whole.  “Are all apostles? Are all prophets? Are all teachers? Do all work miracles? Do all possess gifts of healing? Do all speak in tongues? Do all interpret?” None of us does all these things, but each of us offers at least one, and all these things are needed, as Paul emphasises: “If all were a single member, where would the body be? As it is, there are many members, yet one body. The eye cannot say to the hand, ‘I have no need of you,’ nor again the head to the feet, ‘I have no need of you.’”

Each of us has a part to play, and none of us can do it all.  We need each other. We need each other to work together make this world a better place. But we also need to recognise, as Paul reminds us, that “If one member suffers, all suffer together with it; if one member is honoured, all rejoice together with it.” We are all affected by the captivity, the oppression, the silencing or the blinding of others. John Donne emphasised this, writing in 1624 at a time when the world probably felt as unstable as it does now, and in words that seem particularly poignant at present:

No man is an island entire of itself; every man
is a piece of the continent, a part of the main;
if a clod be washed away by the sea, Europe
is the less, as well as if a promontory were…[6]

This brings us back to Christian unity, and the recognition that not only each individual, but also each confession, each denomination, has its own gifts and insights to contribute to realising God’s mission in the world.  Each of us has so much to give.   Recognising that, let us pray that we may be true disciples, in the words of Mark Wilcox’s “Uncomfortable blessing”:

May the Spirit bless you
with discomfort at easy answers,
half-truths and superficial relationships
so that you will live deep in your heart.
May the Spirit bless you
with anger at injustice and oppression,
the exploitation of people and earth
so that you will work for justice, equity and peace.
May the Spirit bless you
with tears to shed for those who suffer
so that you will reach out your hand to comfort them.
May the Spirit bless you
with foolishness to think that you can make a difference in the world
so that you will do the things which others say cannot be done.[7]  Amen

 

[1]  Jürgen Moltmann, Der lebendige Gott und die Fülle des Lebens. Auch ein Beitrag zur gegenwärtigen Atheismusdebatte, Gütersloh 2014, p. 192.

[2]   See https://ctbi.org.uk/wp-content/uploads/2018/11/WPCU-2019-English-pamphlet.pdf, p. 3.

[3]  See https://ctbi.org.uk/wp-content/uploads/2018/09/Sermon-Starting-points-for-web.pdf.

[4]  Ibid.

[5]   Maggie Smith, “Good Bones” (https://www.poets.org/poetsorg/poem/good-bones).

[6]  See https://web.cs.dal.ca/~johnston/poetry/island.html.

[7]  Cited at https://wesleyanrudy.com/2013/04/17/an-uncomfortable-blessing/.

2. Sonntag im Jahreskreis – 20. Januar 2019

Predigt in der alt-katholischen Friedenskirche, Essen

Jesaja 62, 1-5
1. Kor 12, 4-11
Johannes 2, 1-11

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Seit sehr lange Zeit wird am zweiten Sonntag nach Epiphanias diese Stelle aus dem Johannesevangelium über die Hochzeit zu Kana gelesen und gepredigt. Es ist wohl so, weil in dieser Geschichte Johannes den Anfang Jesus’ öffentliches Wirken darstellt.  Es werden keine Fischer berufen, sondern Jesus wirkt bei einem menschlichen Fest, bei einem Hochzeitsfest sein erstes Wunder.

Später wurde diese Stelle als göttliche, biblische Bestätigung für die Ehe als Lebensform verstanden.  Im sechszehnten Jahrhundert gibt es lutherischen Predigten über die Geschichte der Hochzeit zu Kana, die zeigen wollen, dass nicht das Mönchtum, sondern die Ehe die von Gott bevorzugten Lebensform sei.  Nicht als Mönch oder Nonne, sondern als Ehepartner, Ehepartnerin könne der Christ, die Christin am besten Gott dienen.

Diese Geschichte wird immer noch sehr häufig bei Trauungen vorgelesen, manchmal – was gar nicht so unkompliziert ist – bei einer zweiten Ehe, die somit bewusst oder unbewusst mit dem besten Wein verglichen wird, der nicht am Anfang, sondern erst später angeboten wird.  Und sie wird auch manchmal – zumindest in der Diskussion in der anglikanischen Kirche – so verstanden, dass Jesus – und somit Gott – durch seine Anwesenheit bei diesem Hochzeitsfest die Ehe ausschließlich zwischen einem Mann und einer Frau, zwischen einem Bräutigam und einer Braut anerkenne.  Dieses Wunder – die Verwandlung von Wasser in Wein – wird dadurch als Bestätigung einer bestimmten Beziehungsform verstanden.

Solche Auslegungen, die die Betonung auf die menschliche Beziehung, auf das Ehepaar legen, übersehen meines Erachtens die Stellung dieser Geschichte im Johannes­evangelium.  Es handelt sich hier um eine metaphorische Darstellung, die das Wirken Jesus als Neuanfang darstellt.  Der Wein, der bisher angeboten wird, bedeutet die Lehre, die Religion, die vor Christus dargeboten wurde, die jüdische Tradition, für Johannes vielleicht sogar auch die griechische.  Sie war gut – es war kein schlechter Wein, der anfangs angeboten wurde.  Aber das, was Jesus nun anbieten kann, übertrifft das alte.  Das Wunder, die Umwandlung deutet also auf einen Neubeginn hin.

Es ist aber auch ein feierlicher Neubeginn.  Der dänische Bischof Elof Westergaard schreibt: „Das Weinwunder in Kana ist ein Mirakel, ein Zeichen für die Macht Jesu und die Kraft Gottes zur Veränderung und Erneuerung. In einem alten dänischen Kirchenlied wird die Verwandlung als ‚erstes Zeichen für das Fest der Freude‘ bezeichnet.“  Das Thema der Freude durchdringt unsere Lesungen heute.  Jesaja verwendet ebenfalls eine Ehemetapher um die Freude Gottes über das zurückgekehrte Israel auszudrücken: „man nennt dich «Meine Wonne» und dein Land «Die Vermählte». Denn der Herr hat an dir seine Freude.“ Auch hier geht es um die Freude, die da ist, wenn zwei Menschen zueinander finden – die Freude des Paares, die Freude ihrer Familien, ihrer Freunde und Freundinnen, ihrer Bekannten. Auch hier dient die Ehe, das Hochzeitsfest eher als Metapher für ein freudiges Ereignis.  Gott freut sich riesig über sein Volk, das zu ihm zurückgekehrt ist: „Man ruft dich mit einem neuen Namen, / den der Mund des Herrn für dich bestimmt. Du wirst zu einer prächtigen Krone / in der Hand des Herrn, zu einem königlichen Diadem / in der Rechten deines Gottes.“  Wie Ragan Sutterfield schreibt, wird hier die Freude Gottes aber auch die Liebe Gottes für sein Volk dargestellt.[1]

Auch im 1. Korintherbrief wird das Leben in und mit Gott feierlich beschrieben: hier wird betont, dass alle begabt sind, alle begnadet werden: „Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn. Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen.“  Es geht darum, dass jede und jeder auf eigener Art und Weise in das Mitwirken mit Gott einbezogen wird – und Gott freut sich darüber, dass wir in unserer Grundverschiedenheit dabei sind: „Juden und Griechen, Sklaven und Freie; alle wurden mit dem einen Geist getränkt.“

Die Lesungen heute bringen uns eine wichtige Erinnerung: Gott freut sich über uns, mit uns. Der Glaubensweg wird manchmal hauptsächlich als Kreuzesweg verstanden.  Das ist auch wichtig, denn Gott ist auch bei uns in den schweren Zeiten, in den traurigen Zeiten, in Zeiten der Angst und der Verzweiflung.  Aber Gott lädt uns auch ein zu ein „festliches Leben“, wie Jürgen Moltmann auch betont. Für Moltmann gehört das Festliche zum Wesen des Glaubens:

Der moderne, säkularisierte oder laizistische Europäer fühlt sich nach einem vielzitierten Wort des Religions­soziologen Max Weber »religiös unmusikalisch«.  Er nimmt das Religiöse als Begabung an, die manche haben, viele aber nicht haben und auch nicht entbehren, und verfehlt damit die transzendenten Räume des Lebens. Man kann ohne Musik leben, gewiss, aber mit Musik wird das Leben reicher. Man kann areligiös leben, gewiss, aber mit Religion wird das Leben weiter und festlicher.[2]

Schon im vierten Jahrhundert schrieb Athanasius, Bischof von Alexandrien: „Der auferstandene Christus macht das Leben des Menschen zu einem ununterbrochenen Fest.“[3]

Ein Fest heißt feiern aber nicht chaotisch feiern.  Im Apokryphen Johannesakten wird das Feiern der Glaube mit dem Tanz in Zusammenhang gebracht: „Die Gnade tanzt. Flöten will ich, und ihr sollt alle tanzen.“[4]  Es gibt Tanzgruppen, die ihr Tanz als Gebet erleben, die erfahren, dass Tanzen Himmel und Erde verbindet: „Die Tanzenden fühlen sich eingebunden in ein größeres Ganzes und getragen von einer Gemeinschaft, entwickeln Vertrauen in eine Balance aus Bindung und Freiheit.“[5]  Der Franziskaner Richard Rohr schreibt sogar über die Trinität als „göttlicher Tanz,“ versteht das Wesen Gottes als feierlich, tänzerisch:

Was immer in Gott geschieht, ist ein Durchströmen, ein Ineinanderfließen, eine radikale Verbindung, eine vollkommene Gemeinschaft dreier Wesen – ein Kreistanz der Liebe. Aber Gott ist nicht nur der Tänzer, er ist der Tanz selbst.[6]

Und Gott lädt auch uns ein, in diesen Tanz mitzutanzen:

Wir hören ihn nicht nur aus der Ferne, sondern wir spüren ihn, wenn wir die Hand auf den Boden legen, ebenso wie im Wasser, im zerrissenen Brot und im eingegossenen Wein. Das Gerücht tief in unserer Seele sagt uns, dass eine Feier stattfindet, und wir können kaum glauben, dass wir eingeladen sind. … Kann es sein, dass sich eine Hand zu uns ausstreckt und uns zum göttlichen Tanz auffordert; dass uns jemand ins Ohr flüstert, wir seien seit jeher dafür gemacht?[7]

Im Glauben zu feiern, im Glauben zu tanzen: Dazu werden auch wir eingeladen, dazu sind auch wir begabt.

Amen

[1]   Ragan Sutterfield, The Joy of Not Being in Charge (http://www.ekklesiaproject.org/blog/2010/01/the-joy-of-not-being-in-charge/).

[2]  Jürgen Moltmann, Der lebendige Gott und die Fülle des Lebens. Auch ein Beitrag zur gegenwärtigen Atheismusdebatte, Gütersloh 2014, S. 21.

[3]   Moltmann, Der lebendige Gott und die Fülle des Lebens, S. 192.

[4]   Moltmann, Der lebendige Gott und die Fülle des Lebens, S. 192.

[5]  Siehe https://www.erzdioezese-wien.at/site/nachrichtenmagazin/schwerpunkt/kirchekunst/article/54855.html.

[6]   Richard Rohr, Der göttliche Tanz. Wie uns ein Leben im Einklang mit dem dreieinigen Gott zutiefst verändern kann, S. 19.

[7]   Richard Rohr, Der göttliche Tanz. Wie uns ein Leben im Einklang mit dem dreieinigen Gott zutiefst verändern kann, S. 12-13.

Christmette – 24. Dezember 2018

Predigt in der alt-katholischen Gemeinde Münster

Jesaja 9,1-6
Titus 2,11-14
Lukasevangelium 2,1-14

Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf.

Das feiern wir in dieser heiligen Nacht: Das Licht, das in die Dunkelheit gekommen ist.  „Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens.“  So schreibt Jesaja, so singen und beten wir in diesem Gottesdienst, so glauben wir.  Durch dieses Kind, dieses Christkind wird alles neu.

Heute vor zweihundert Jahren wurde das erste Mal das Weihnachtslied „Stille Nacht, Heilige Nacht“ gesungen.  Die Wörter wurden von dem jungen Priester Joseph Mohr schon 1816 geschrieben, als Hilfspriester in Mariapfarr im Lungau, kurz nach Ende der Napoleonischen Kriege und des Wiener Kongresses, die zu politischen Unsicherheiten und Neubestimmungen von Ländern geführt hatte.  Im Dezember 1818 wurde dieser Text von Franz Xaver Gruber vertont und das erste Mal gesungen.  „Stille Nacht, Heilige Nacht“ ist als „Trostlied für eine traumatisierte Bevölkerung“ zu verstehen, entstanden in einer Zeit des politischen und sozialen Umbruchs und der Verunsicherung.[1] Das war eine Zeit, in der viele Länder Europas in einer Krise steckten.

„Stille Nacht, Heilige Nacht“:  dieses Lied steht in einer Reihe von Weihnachtsliedern, die Hoffnung und Frieden in Zeiten des Krieges, wie Paul Gerhard, der den ganzen dreißigjährigen Krieg erleben musste, als junger Mann schon die Verwüstung Helmstedts mitbekommen hatte und später seine Frau und vier Kinder verloren hatte.  Er wusste, was er sagte, als er von tiefster Todesnacht“ schrieb:[2]

Ich lag in tiefster Todesnacht, du warest meine Sonne, die Sonne, die mir zugebracht, Licht, Leben, Freud und Wonne. O Sonne, die das werte Licht des Glaubens in mir zugericht, wie schön sind deine Strahlen.

Joseph Mohr, Paul Gerhardt:   es waren beiden Menschen, die verstanden haben, was es heißt, die Dunkelheit durch das Licht der Inkarnation Christi durchleuchtet zu wissen. Die verstanden haben, dass uns die Botschaft Christi und Licht und Hoffnung in eine manchmal sehr dunkle Welt bringen.

Das sind Weihnachtslieder, die in einer dunklen, unsicheren Zeit geschrieben wurden, die aber vom Licht der Welt erzählen.  Auch Jochen Klepper, ein deutscher Theologe, der mit einer jüdischen Frau verheiratet war und sich 1942 mit seiner Frau Hanni und deren Tochter Renate das Leben nahm, betonte voll Überzeugung „Gott will im Dunkeln wohnen und hat es doch erhellt.“  Diese letzte Strophe des Liedes „Die Nacht ist vorgedrungen“ wurde in der Adventszeit 1937 oder 1938 geschrieben.  Damals schrieb Klepper voll Hoffnung: „Die Nacht ist schon im Schwinden, / macht euch zum Stalle auf!“  Denn er war die feste Überzeugung: „Ihr sollt – ihr werdet – das Heil dort finden.“

Somit sehen wir, dass Weihnachtslieder immer wieder Hoffnung gestiftet haben und immer noch Hoffnung stiften können, auch in die dunkelsten Zeiten. Es wird erzählt, dass im ersten Weltkrieg das Singen von „Stille Nacht, Heilige Nacht“ um Weihnachten zu einem Waffenstillstand geführt hat.  Die deutschen und die britischen Soldaten haben von beiden Seiten geliebten Weihnachtslied gemeinsam gesungen, sie haben sich friedlich getroffen, ein Fußballspiel organisiert, eine kurze Zeit Frieden miteinander gefeiert.

Und wir: erfahren wir auch diese Lichtblicke im Dunklen?  Oder suchen wir eigentlich irgendwo anders?  Eva Zeller schreibt:

ich glaubte
meine Hülfe komme
anderswo her

nicht vorbereitet auf
diese Niederkunft
in der kleinsten
unter den Städten
im jüdischen Land
auf den Salto mortale
Gottes ins Fleisch

und schon gar nicht
darauf gefasst
dass Könige
sich verneigen
und die Welt
alle Jahre wieder
den Atem anhält[3]

Aber heute Nacht – in dieser heiligen Nacht – kommen auch wir zum Stall, schauen voll Erstaunen, voll Wunder wie Gott sich auf das saltus mortale, auf den Sprung ins Fleisch eingelassen.  Wir stehen an der Krippe, wir erleben, wie Gott zu uns in diese Welt, die komplizierte, traumatisierte Welt kommt, um uns und die Welt zu retten.

Amen

[1] Vgl: https://www.stillenacht.com/de/geschichte/europa-in-der-krise/.

[2] Vgl. Predigt von Bischof Friedrich Weber, 24.12.2011:  https://www.landeskirche-braunschweig.de/index.php?id=1211&file=772.

[3] Te Deum, Dezember 2018, S. 227.